Brief des Vorstands.

Dr. Thomas Olemotz, Vorstandsvorsitzender.

Dr. Thomas Olemotz, Vorstandsvorsitzender.

Sehr geehrte Damen und Herren,

ein außergewöhnliches Jahr liegt hinter uns. Eines, das wahrscheinlich in die Geschichtsbücher eingehen wird. Zum Thema Krise scheint inzwischen alles gesagt. Offen bleibt, wie nachhaltig die Erkenntnisse und Lehren sind, die in der größten Wirtschaftskrise der Nachkriegszeit gewonnen wurden.

Ohne Frage stellte 2009 uns alle vor große Herausforderungen. Es galt, umsichtig und sozial verträglich wie auch konsequent und effizient zu handeln. Eine schwierige Balance. Umso bemerkenswerter das Fazit, das wir ziehen können:

„Unsere“ Bechtle hat sich in einem äußerst schwierigen Umfeld wacker geschlagen. Mit einem fulminanten Schlussspurt ist es uns sogar gelungen, das vierte Quartal mit Rekordumsätzen abzuschließen. Auch beim Ergebnis konnten wir von Monat zu Monat den Abstand zum Vorjahr verringern – immerhin dem besten Geschäftsjahr unserer Unternehmensgeschichte. Eine Leistung, auf die wir, wie ich meine, zu Recht stolz sein dürfen.

Was dem erstaunlich guten Jahresendgeschäft vorausging, waren strenge Kostendisziplin und ein besonnen zusammengestelltes Ergebnissicherungsprogramm. So dezentral unsere Struktur und unterschiedlich die regionalen Gegebenheiten sind, so differenziert gestalteten sich die Maßnahmen. Dabei stand immer die langfristige Entwicklung und Zukunftsfähigkeit von Bechtle im Zentrum unseres Interesses. Diese Vorgehensweise führte dazu, dass manche Standorte angesichts der wirtschaftlichen Situation kräftig gegensteuern mussten – der flexible Einsatz des Instruments Kurzarbeit war dabei ein probates Mittel. Andere wiederum bekamen jede Unterstützung, ihr Team weiter auszubauen, wenn es das Geschäft erforderte.

Aus unserer Sicht hat das abgelaufene Geschäftsjahr zu drei wichtigen Erkenntnissen geführt.

Erstens: Unser Geschäftsmodell mit seiner einzigartigen Kombination aus Systemhausleistungen und E-Commerce hat sich als differenzierender Wettbewerbsfaktor erwiesen und seine Stabilität unter Beweis gestellt. Mehr noch – wir haben eine schwache Konjunktur bemerkenswert gut genutzt, an Stärke zu gewinnen. Interessanterweise nicht durch Zukäufe, sondern aus eigener Kraft. Für manchen Beobachter mag das angesichts unserer Historie und der Nachrichtenlage über zahlreiche Insolvenzen und Übernahmen in unserer Branche eine Überraschung gewesen sein. Doch nach unserer festen Überzeugung war 2009 die nicht getätigte die bessere Akquisition. Das hängt insbesondere mit den „flüchtigen Werten“ zusammen, die wir im Fall eines Unternehmenskaufs erwerben: Know-how und gute Kundenbeziehungen. Bei Unternehmen in Schieflage lohnt sich der kritische Blick, denn in aller Regel verlassen die besten Mitarbeiter ein krisenbehaftetes Unternehmen zuerst. Zugleich stellen schwierige Zeiten das Vertrauen der Kunden auf eine Belastungsprobe. Vorsicht war daher das verantwortungsvolle Gebot der Stunde.

Zweitens: Das vergangene Jahr hat auch gezeigt, dass traditionelle Werte klare Wettbewerbsvorteile dar stellen. Für uns eine Bestätigung unserer Unternehmenskultur, die seit mehr als zwei Jahrzehnten in der Bechtle-Firmenphilosophie verankert ist. Vier Werte prägen dabei die Art, wie wir unser Geschäft betreiben: mit Boden haftung, Beharrlichkeit, Zuverlässigkeit und Begeisterungsfähigkeit. Mehr denn je schätzen unsere Kunden die Verpflichtung, die hinter jedem dieser Werte steht.

Und schließlich drittens: Auch die Erkenntnis, dass Finanzkennzahlen auf breites Interesse jenseits des Kapitalmarkts stoßen, ist in dieser Deutlichkeit neu. Für Bechtle sprechen eine solide Eigenkapitalquote von über 65 Prozent, eine in der Branche herausragende Ertragsrelation von 3,2 Prozent sowie eine komfortable Liquidität von über 125 Millionen Euro. Kurz: Bechtle ist ein kerngesundes, solide finanziertes Unternehmen. Wir senden damit in schwierigen Zeiten das wichtige Signal, ein verlässlicher, starker Partner unserer Kunden zu sein – heute und morgen. Unsere Kapitalausstattung versetzt uns zugleich in die Lage, Chancen zur Expansion aus eigener Kraft wahrzunehmen. Konkret: Wir konnten 2009 mit Portugal den elften Landesmarkt für unsere Handelsmarke Bechtle direkt erschließen und haben zusätzlich die notwendigen Vorbereitungen für die Neugründung einer weiteren Gesell schaft in Polen getroffen. Und bei den IT-Systemhäusern ergänzt nun Dortmund unser flächendeckendes Standortnetz in Deutschland.

Unsere Finanzausstattung ermöglicht es uns darüber hinaus, unsere Anteilseigner angemessen am Unternehmenserfolg zu beteiligen. Aufsichtsrat und Vorstand schlagen daher der Hauptversammlung die Ausschüttung einer stabilen Dividende in Höhe von 0,60 Euro je Aktie vor. Wir möchten damit insbesondere unseren Dank gegen überunseren Aktionärinnen und Aktionären zum Ausdruck bringen, die Bechtle auch und gerade in konjunkturell schwierigen Zeiten vertrauensvoll begleiten.

Sehr geehrte Damen und Herren,

das vergangene Jahr stand bei Bechtle unter dem Motto: Chancen erkennen. Chancen nutzen! Es ging uns bei diesem Leitspruch nicht nur darum, jede Gelegenheit beherzt zu ergreifen, uns als verlässlicher, starker IT-Partner im Markt zu behaupten und weitere Marktanteile zu gewinnen. Vielmehr wollten wir unseren Kunden Chancen aufzeigen, mit einer stabilen, zukunftsfähigen IT gestärkt aus der schwierigen Wirtschafts lage hervorzugehen. Das ist unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern hervorragend gelungen. Eine einzigartige Teamleistung, vor deren Hintergrund ich mit einem persönlichen Resümee schließen möchte:

Einmal mehr ist mir bewusst geworden, dass ein Unternehmen von seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern „lebt“. Nicht unsere Produkte sind einzigartig, sondern die Art, wie wir unsere Kunden ansprechen, sie von unserer Kompetenz überzeugen und für Bechtle begeistern. Das ist unser entscheidender Erfolgsfaktor in einem wettbewerbsintensiven Markt. Das Engagement aller Kolleginnen und Kollegen war im vergangenen Jahr herausragend und aller Anerkennung wert.

Dieser Gemeinschaftsleistung gebührt der Dank des gesamten Vorstands.

Angesichts der ungewissen konjunkturellen Entwicklung ist es zum jetzigen Zeitpunkt wenig seriös, quantitative Ziele für 2010 zu formulieren. Sicher ist indes, dass wir alle bei Bechtle mit großem Optimismus in die Zukunft blicken. Die Bewährungsprobe ist bestanden. Jetzt gilt es, die im vergangenen Jahr gewonnenen Er kennt nisse für uns zu nutzen. Wir gehen das neue Jahrzehnt voller Elan und mit der festen Überzeu gung an, über die besten Voraussetzungen zu verfügen, um die Zukunft kraftvoll zu gestalten.

Ihr
Dr. Thomas Olemotz
Vorstandsvorsitzender