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AI@Bechtle: Künstliche Intelligenz bei Bechtle

Von Jochen Müller | 13.11.2018

Über das Thema „Künstliche Intelligenz“ wird derzeit viel gesprochen und geschrieben. Wir realisieren sie bereits.

Im Rahmen der Neuauflage unserer Internet-Plattform bechtle.com entstand innerhalb der CIO-Organisation eine Initiative zum Einsatz „Künstlicher Intelligenz“ bei Bechtle. Das war notwendig geworden, um den ambitionierten Zielen des Unternehmens gerecht zu werden. Ein wesentliches Merkmal von Bechtle ist das umfangreiche Portfolio. Neben dem Handel mit Produkten aus den Bereichen Hardware und Software, bietet Bechtle auch Dienstleistungen, Schulungen, Veranstaltungen, Referenzen und eine große Anzahl offener Stellen. Aber wie kann es gelingen, dieses Angebot automatisch zu vernetzen, um dem Kunden übergreifende Empfehlungen auf bechtle.com anzubieten? Nur „Maschinelles Lernen“ konnte an dieser Stelle weiterhelfen. Wir haben dabei eine ebenso klare wie anspruchsvolle Vision vor Augen: „The Big Brain“, eine durch maschinelles Lernen entstehende Wissensrepräsentation, die fortwährend dazulernt und weiß, was wie zusammenhängt. So können wir nicht nur unser Portfolio automatisch vernetzen, sondern auch wertvolle, nicht selten überraschende Erkenntnisse gewinnen.

 

Dabei kommen zwei wesentliche Stoßrichtungen zur Anwendung: Content based Learning, das Lernen aus bestehenden Inhalten und Daten, und Collaborative Learning, das Lernen aus unzähligen Interaktionen der Kunden mit den Inhalten unserer Internet-Plattform. Das erste und zugleich ambitionierteste Projekt unserer Initiative ist „Projekt Josy“. „Josy“ lernt durch das Lesen natürlich-sprachlicher Texte. Die Menschheit sitzt derzeit auf circa 40 Zettabyte Daten und 95 Prozent davon sind Texte. Maschinell Wissen und Zusammenhänge aus gängigen Texten gewinnen zu können, ist demnach die Königsdisziplin. „Josy“ liest Texte, extrahiert die Begrifflichkeiten (nicht nur Wörter), von denen darin die Rede ist, und vernetzt sie semantisch. „Josy“ erzeugt kurz gesagt ein „Konzept der Dinge“ und weiß zum Beispiel, dass „Internet Security“ mit „Firewall“ zu tun hat. Wir bei Bechtle wissen das. Aber wenn wir eine KI hätten, die durch Lesen von Informationen aller Art solches Wissen maschinell erzeugt und einsetzbar macht, dann wäre dies ein ganz wesentlicher Entwicklungsschritt. Und wenn wir „Josy“ permanent IT-Websites lesen lassen, so erhielten wir eine Trendanalyse. Unsere KI weiß dann, welche Themen gerade beim Kunden potenziell im Fokus stehen. Kombiniert man die Komponenten IT-Wissen und Trendanalysen mit einer „Recommendation Engine“, erhält Bechtle ein enorm zukunftsstarkes Tool.

 

"Ginni"- Die Recommendation Engine

 

Deshalb begannen wir Anfang 2018 die Arbeiten an „Projekt Ginni“ – unserer zukünftigen „Recommendation Engine“. Sie wird nicht nur automatisiert und in Echtzeit Empfehlungen für unsere Kunden bereithalten, ein wesentliches Entwicklungsziel von „Ginni“ ist auch, Bechtle selbst mit Analysemöglichkeiten auszustatten, um so neue Erkenntnisse zu gewinnen. Anfang April, nach nur drei Monaten Entwicklungszeit, begann Version 1 von „Ginni“ aus den Echtzeitinteraktionen von Besuchern unserer Internet-Plattform zu lernen und offerierte bereits nach wenigen Wochen des eigenständigen Lernens interessante Zahlen und Zusammenhänge. Die Empfehlungsfunktion übertraf unsere Erwartungen — insbesondere, wenn man bedenkt, dass keinerlei Datenimport oder -Anbindung notwendig war. „Ginni“ lernt ausschließlich von den Interaktionsmustern unserer User. Eine Ausnahme bildet hierbei ein Teilprojekt von „Ginni“, die Kalkulation von „Produktähnlichkeiten“ über unser gesamtes Hardware-Sortiment hinweg. Dieses Add-on erlaubt es in Zukunft, die Empfehlungen von „Ginni“ an Business-Kriterien zu variieren und zu optimieren.

 

Momentan arbeiten wir an einer Version 2 von „Ginni“, die umfangreiche Erweiterungen im Bereich der Suche enthält. So lernt „Ginni“ jetzt auch, welche Produkte mit welchen Suchbegriffen und mit welchen vom Kunden gewählten Produkteigenschaften zusammenhängen. Damit kann „Ginni“ nicht nur Produktempfehlungen ermitteln, sondern aktiv die Suche und das Festlegen von Produkteigenschaften/Filtern unterstützen. Wir wiederum erfahren dabei, welche Produkteigenschaften beim Kunden wirklich zählen.

 

"AI is a make"

 

Zur gleichen Zeit erhält „Josy“ dieselbe Speichertechnologie wie „Ginni“, um praktisch aus einer beliebigen Anzahl von Dokumenten zu lernen. Ein eigens entwickelter Web Crawler liefert dabei „Lernfutter“ aus dem Web. Ende 2018 werden „Josy“ und „Ginni“ zusammengeführt und erhalten mit „Projekt Faice“ eine browsergestützte Oberfläche und damit ein leistungsstarkes Analyse- und Visualisierungswerkzeug.

 

Immer wieder werden wir gefragt: „Habt ihr das selbst entwickelt?“. Die Antwort kann keine andere sein, als die bekannte: „AI is a make, technology a buy“. Jede AI ist speziell. Es gibt keine Bechtle AI zu kaufen. AI ist eine Vision, eine Strategie, ein Alleinstellungsmerkmal und ein zukünftiger Wettbewerbsvorteil. Outsourcing ist hier keine Option. So nutzen wir Technologiekomponenten, wo immer wir passende finden, und integrieren damit automatisch die Weiterentwicklung der AI-Technologie, wie wir sie selbstverständlich alleine nicht leisten können. Die AI aber, wie wir sie bauen, ist „unsere“. Und sie wird sicherlich noch die eine oder andere Überraschung liefern ...