AZUBIT 20.11.2020

Mein duales Studium in der Digitalstadt Karlsruhe.

Die Fächerstadt Karlsruhe zeichnet eine Mischung aus Tradition und Moderne aus: Der Erhalt der ersten E-Mail in Deutschland 1984, etliche IT-Unternehmen, viele wissenshungrige Informatik-Studenten und ein Platz für Start-ups in allen Bereichen: Karlsruhe als Digitalstadt hat einiges zu bieten – online sowie offline. Wie es ist, in der zweitgrößten Stadt Baden-Württembergs und einer Smart City zu arbeiten und zu studieren, zeige ich euch in diesem Blogbeitrag.

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Maximilian Bickel
Dualer Student: Bachelor of Arts – Marketing Management

Wer bin ich und was mache ich hier überhaupt? 

Mein Name ist Maximilian Bickel und ich bin 25 Jahre alt. Ich studiere im fünften Semester BWL – Marketing Management an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) in Mannheim und arbeite im Bechtle IT-Systemhaus in Karlsruhe. In meinen Praxisphasen unterstütze ich das Marketing im Bereich Modern Workplace – überwiegend alles, was unseren Digital Workplace in Karlsruhe betrifft.

Duales Studium als Online-Vorlesung. Wie funktioniert das? 

Wie läuft so ein DHBW-Studium eigentlich ab? Naja, das ist wohl von Student zu Student unterschiedlich. Ich versuche hier mal einen Einblick in meinen Ablauf zu zeigen:

In den Praxisphasen arbeite ich im Systemhaus, ähnlich wie ein Auszubildender, und werde in die verschiedenen Abläufe im Unternehmen eingelernt. Die Theoriephase sieht hingegen ganz anders aus: Da ich im wunderschönen Karlsruhe wohne und in Mannheim studiere, hieß das für mich: pendeln. Täglich rund 70 km und 50 Minuten pro Strecke mit dem Auto waren für mich finanziell, gerade als dualer Student, keine langfristige Option. Also war ich auf den Zug angewiesen. Die Vorlesungen sind in einem Vorlesungsplan geregelt: Meist sind es am Tag zwei Vorlesungen von ca. 2,5 – 3,5 Stunden pro Fach. Zwischen den Vorlesungen dann 30-60 Minuten Zeit für die Mittagspause. Im Normalfall war gegen 16:30 Uhr Feierabend, manchmal auch früher. Dann wieder zwei Stunden mit der Regionalbahn und der Straßenbahn nach Hause. So zumindest der Ablauf bis Anfang des Jahres.

Neue Zeiten, einschränkende Zeiten, ungewohnte Zeiten! Die Pandemie hält uns seit Anfang des Jahres in Schach und seit Frühjahr 2020 auch vermehrt in den eigenen vier Wänden. Aber was hat sich für mich als Student geändert? Der Vorlesungsplan ist in Art und Umfang ähnlich geblieben. Nur die neue Form der Vorlesungen ist gewöhnungsbedürftig. Hier nutzt die DHBW die Lernplattform Moodle und das zugehörige Collaboration Tool Blackboard. Diese Lösung habe ich anfangs eher skeptisch betrachtet, jedoch bin ich nach einiger Zeit tatsächlich zum Fan geworden. Studenten und Lehrkräfte können unterschiedliche Rollen mit verschiedenen Rechten zugewiesen werden –  so kann auch ein Student seinen Bildschirm teilen und etwas präsentieren. Neben den, fast schon üblichen, Features wie Video- und Mikrofoneinbindung gibt es auch Funktionen wie das „Hand heben“. Wird diese Funktion aktiviert, ertönt ein Hinweiston, die Person rutscht an die Spitze der Anwesenheitsliste und ein kleines Icon indiziert, dass diese Person sich gerade meldet. Eine clevere Idee, um den Dozenten im Redefluss höflich zu unterbrechen. Man kann in verschiedene Arbeitsgruppen eingeteilt werden und hat die Kursräume rund um die Uhr zur Verfügung. So können wir Studierenden uns auch außerhalb der Vorlesungszeiten dort besprechen.

Die Basisausstattung um hier „mitspielen“ zu können, ist ein internetfähiger Computer, ein funktionierendes Mikrofon und wenn möglich eine Kamera. Hier hat Canon passenderweise zu Beginn des letzten Semesters eine kleine Applikation veröffentlicht, die es mir ermöglicht, meine Spiegelreflexkamera als Webcam zu verwenden. So wurden aus 480p Auflösung und integriertem Mikrofon meiner alten Webcam nun 1080p mit Tiefenschärfe und optischem Zoom. Um meinen Desktop-PC auch audiotechnisch fit zu machen, habe ich mir ein kleines Lavaliermikrofon bestellt und eine Clip-Halterung für den Monitor mittels 3D-Druck gebastelt. Ausfälle oder Probleme bei der Akustik, die dann häufig auch noch bei der gleichen Person auftreten, können erfahrungsgemäß zu Frustration seitens der Dozenten und Kommilitonen führen.


Allgemein betrachtet scheinen Online-Vorlesungen aber eine feine Sache zu sein. Die Realität bringt jedoch einige Probleme mit sich: Auch wenn die Dozenten etwa einmal pro Stunde eine kleine Pause einlegen, fehlt vor dem Rechner einfach die Motivation zur Konzentration. Dies kann in manchen Fällen dazu führen, dass ich mitten in der Vorlesung abschweife und nicht mehr zuhöre, auch wenn der Dozent über den Kopfhörer immer noch redet. Aufzeichnungen der Vorlesungen gab es bei uns im letzten Semester nur in einem Fach – nochmal anschauen ist somit also meistens nicht möglich. Die meisten Dozenten fragen in den Klausuren das ab, was im Skript steht –  ergänzt mit den mündlichen Anmerkungen.
Hier also nun ein paar Tipps von mir, um die Online-Vorlesungen effektiv zu gestalten: 

  • Den Arbeitsplatz vom Wohnraum trennen: Schaue ich mir die Vorlesung im Bett an, sinkt die Motivation schon von selbst. Bis der Kopf dann ins Kissen sinkt, vergeht nicht mehr viel Zeit. Also raus aus dem Bett und ran an den Schreibtisch!
  • Mit dem Zweiten sieht man besser – was beim ZDF funktioniert, ist auch bei Online-Vorlesungen von Vorteil. Ein zweiter Monitor ermöglicht, die Vorlesung auf dem einen Bildschirm zu sehen und gleichzeitig auf dem zweiten digital mitzuschreiben. 
  • Ausreichend trinken und lüften. Die Pausen nutzen, um die Wasserflasche aufzufüllen, sich einen kleinen Snack zu holen oder auch mal ein wenig frische Luft ins Zimmer zu lassen. Das hilft präventiv gegen Kopfschmerzen und fördert die Konzentration. 

Die Stadt Karlsruhe als Arbeits- und Lebensumfeld.

Karlsruhe hat einiges zu bieten! Ein paar sehenswerte Hotspots für euch aus meinem Erfahrungsschatz:
Im Herzen der Stadt findet man das 1715 erbaute Karlsruher Schloss. Seit einigen Jahren wird das Schloss im Zeitraum von Mitte August bis Mitte September im Rahmen der Karlsruher Schlosslichtspiele in eine riesige, dreidimensionale Leinwand verwandelt. Hier werden dann beeindruckend animierte Projektionen auf einer einmaligen Kulisse gezeigt – in 2020 waren die Schlosslichtspiele sogar virtuell erlebbar!

Auch das Thema Vernetzung wird hier in Karlsruhe großgeschrieben: von einem sehr gut vernetzten, öffentlichen Nahverkehr - bald auch mit der wahrscheinlich kleinsten U-Bahn der Welt - über die gute infrastrukturelle Anbindung mit gleich zwei Autobahnen, einem Binnenhafen und einem Flughafen bis hin zur guten Vernetzung der Community.

Ein Beispiel für letzteres ist das Cyberforum. Dabei handelt es sich um einen gemeinnützigen Verein, der sich auf den Wissenstransfer und Erfahrungsaustausch zwischen Unternehmensgründern, Wachstumsunternehmen und erfahrenen Unternehmern, Hochschul- und Forschungseinrichtungen sowie Städten und Gemeinden konzentriert. Das alles in Kombination mit einer Stadt, in der viele, insbesondere technisch versierte, Studenten leben und studieren, macht Karlsruhe zu einer dynamischen, jungen, technologieorientierten Stadt, die ihre traditionelle Seite nie verloren hat.
Was es in Karlsruhe - auch offline - sonst noch zu sehen gibt, verrate ich euch in meinem Interview: