Künstliche Intelligenz 23.09.2020

Innovation + Künstliche Intelligenz = Künstliche Innovation!?

Ob die Teilnehmer der Dartmouth-Konferenz 1956 bei der „Geburtsstunde“ der Künstlichen Intelligenz wussten, wo KI rund 70 Jahre später stehen würde? Oder haben sie als Visionäre schon früher damit gerechnet? In vielen Branchen ist KI auf dem Vormarsch – ebenso im Bereich der Innovationen. Und „künstliche Innovationen“ haben die Schwelle des Denkbaren bereits überschritten.

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Michael Hufelschulte
Innovationsmanager Digital Solutions

Die Gesellschaft und der Markt verändern sich durch die Digitalisierung so schnell und so einschneidend wie noch nie zuvor in der Geschichte. Dabei hat des immer schon Innovationen gegeben – Buchdruck oder Dampfmaschinen hatten in der Gesellschaft jedoch viel Zeit, um akzeptiert zu werden und ihre Plätze zu finden. Anders sieht es bei digitalen Geschäftsmodellen aus. Innovationen wie Smart Home, autonomes Fahren, Sharing-Dienste, Streaming usw. überfluten uns geradezu.

Wer kannte vor zwei Jahren in Europa schon das soziale Netzwerk TikTok? Heute hat der chinesische Dienst weltweit 800 Millionen aktive Nutzer (davon 5,5 Mio. in Deutschland mit 13,4 Mrd. (!) Views pro Monat). Nach einer Bewertung durch CB Insights galt TikToks Muttergesellschaft ByteDance im Januar 2019 mit einem Wert von 75 Milliarden US-Dollar als das wertvollste nicht börsennotierte Unternehmen der Welt. Diese Zahlen verdeutlichen die Geschwindigkeit erfolgreicher digitaler Geschäftsmodelle. Und davon gab es zahlreiche in den letzten Jahren, von Airbnb bis Zalando.

Aber kann Künstliche Intelligenz nicht auch innovieren? Ja, das kann sie und tut sie bereits. Zumindest unterstützend durch Deep Learning, der aktuellen „Phase“, in der wir uns im Rahmen Künstlicher Intelligenz befinden. Dabei wird Wissen künstlich aus Erfahrung generiert. Ein Computer lernt kontinuierlich, richtige Ergebnisse von falschen zu unterscheiden. Je mehr Daten dem Computer zur Verfügung stehen, desto treffsicherer und korrekter wird das Ergebnis, das immer auf einer rationalen Entscheidung basiert – was häufig das Thema Ethik auf den Plan bringt.

Abbildung: Die Entstehungsstufen der Künstlichen Intelligenz.

 

Die Diskussionen um Ethik im Zusammenhang mit Entscheidungen bei autonomen Fahrzeugen sind Ihnen bestimmt bekannt. Nach welchen Richtlinien entscheidet ein solches Fahrzeug in kritischen Situation, wenn Menschenleben auf dem Spiel stehen? Neue Technologien bringen eben auch neuen Klärungsbedarf mit sich. Aber zurück zum Thema künstliche Innovation.

Haben Sie sich schon einmal gefragt, woher Online-Shops eine Produktempfehlung für Sie haben, die Sie dann auch noch interessiert? Sätze wie „Kunden, die dieses Produkt gekauft haben, interessierten sich auch für …“ – kennen Sie bestimmt. Für die Ergebnisse gibt es unterschiedliche Modelle. Künstliche Intelligenz, mit den Teilbereichen Machine Learning und Deep Learning, spielt dabei eine Rolle. Aber etwas Neues erfinden? Selbstständig Ideen entwickeln und innovieren? Auch das ist möglich, wenngleich bislang kein Tesla dabei herausgekommen ist. Aber Teile davon. Und meistens solche, die auf Algorithmen beruhen. Schließlich fällt es einer KI leichter, Daten und damit zusammenhängende Prozesse zu optimieren, als ein komplexes Flugtaxi zu erfinden.

Radikale oder disruptive Innovationen, die ganze Märkte verändern und verdrängen, bringen ja oftmals (mitunter digitale) Geschäftsmodelle auf den Markt, die es bislang nicht gab und wonach der Kunde demzufolge keinen Bedarf verspürte. Wenn aber beispielsweise durch KI-gesteuerte Prozesse die verborgenen Bedürfnisse von Kunden entdecken - wie etwa durch deren Verhalten, entdeckt von Kameras oder deren Suche im Internet - wird KI auch in der Lage sein, Innovationen vorzuschlagen. Die Kernkompetenz liegt in den zur Verfügung stehenden Daten. Ich bin mir sicher, dass in einigen Jahren schon digitale Geschäftsmodelle wie Airbnb oder Uber, die rein auf Daten basieren und keine eigenen Ressourcen benötigen, durch Künstliche Intelligenz herausgefunden und vorgeschlagen werden. Vermutlich arbeiten die „Big Four“ (Amazon, Apple, Google, Facebook) schon daran, wie sie aus ihren Daten solche Bedürfnisse für Innovationen und Geschäftsmodelle generieren.