Karriere 28.09.2020

Fehlerkultur: Warum Fehler wichtig für den Erfolg eines Unternehmens sind.

Zugegeben, die klassisch deutsche Kultur strebt grundsätzlich eher nach Perfektionismus und Null-Fehler-Toleranz als andere Kulturkreise, die zum Teil experimentierfreudiger sind. Hier wird auch einmal in Kauf genommen, dass Ergebnisse nicht oder etwas verspätet geliefert werden, wenn dabei jedoch der Spaß bei der Arbeit erhalten bleibt.

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Sabine Single
Managing Director, Bechtle Hosting & Operations

Doch warum sollten wir Fehler machen?

Albert Einstein sagte: „Ein Mensch, der noch nie einen Fehler gemacht hat, hat auch noch nie etwas Neues probiert!“ Dieses Motto spiegelt sich auch in der Forschung zum Unternehmertum wider, die drei Voraussetzungen für unternehmerisches Handeln identifiziert:

  • Gelebtes Unternehmertum beinhaltet immer auch die Möglichkeit des Scheiterns – das muss uns bewusst sein. Die Suche nach dem „Schuldigen“ und der Impuls zur Bestrafung wirken unternehmerischem Handeln entgegen. Um Unternehmertum zu wagen, sollten wir uns deshalb von diesen Impulsen freimachen.
  • Unternehmerisches Handeln braucht eine Kultur, die es unterstützt, die Welt immer wieder neu zu sehen, sowie den Mut, Anregungen aufzunehmen und Änderungen voranzutreiben. Diese Kultur ist vor allem in Organisationen, die stark hierarchisch geprägt sind, selten vorhanden. Denn die Mutigen, die Unternehmerischen, die als Vorbilder dienen könnten, haben die Organisation oft schon frustriert verlassen und eine günstigere Entwicklungsumgebung gewählt.
  • Für die Entwicklung vom wenig beteiligten Zuschauer, der in seinen Alltagsroutinen gefangen ist, zum innovativen Voran-Treibenden braucht es mutiges Aktiv-Werden. Sich immer wieder auf etwas Neues einzulassen, die Grenzen der eigenen Komfortzone zu überschreiten (und überschreiten zu dürfen!) – das ist es, was wir brauchen, wenn wir Innovation vorantreiben wollen.

 Was ist also wichtig, um unternehmerisches Handeln zu fördern?

  • Mitarbeiter sollten wir ermutigen, Risiken einzugehen und zu experimentieren, um Lösungsorientierung zu entwickeln.
  • Teams sollten den Freiraum erhalten, Best Practices durch eigenes Experimentieren immer wieder zu hinterfragen und nach noch besseren Lösungen zu suchen. Nur wenige Dinge funktionieren heute so wie vor zwanzig, zehn oder sogar zwei Jahren.
  • Wir sollten es als eine Kernkompetenz ansehen, schneller gute Entscheidungen zu treffen, und diese Kompetenz nachhaltig fördern.
  • Wir sollten fehlertoleranter werden. Führungskräfte sollten meiner Meinung nach ihre Mitarbeiter coachen, aus Fehlern zu lernen, und ihnen die Angst vor Misserfolgen nehmen. Erfolgreiche Teams werden die Lektionen, die sie aus ihrem Scheitern gelernt haben, in Stärken für die nächste Iteration des Projekts oder für ein neues Projekt transformieren.

Für mich als Geschäftsführerin ist es deshalb besonders wichtig, ein vertrauensvolles Umfeld zu schaffen, in dem wir Scheitern einkalkulieren, uns jedoch gleichzeitig kontinuierlich verbessern und schnell dazulernen. Wir sollten alles daran setzen, bereits gemachte Fehler nicht zu wiederholen – schließlich wartet auf uns eine große Anzahl neuer Fehler, aus denen wir rasch weiterlernen können, um unser Unternehmen voranzubringen.

In operativen Bereichen eines Unternehmens, wie zum Beispiel der Produktion, ist es vor allem wichtig, Fehler schnell zu entdecken und Verbesserungsprozesse anzustoßen. Wir sollten also eine Kultur fördern, in der wir das Finden von Fehlern als wichtigen Erfolg feiern und zum Anlass nehmen, schnell Lösungen zu finden und Frühwarnsysteme zu entwickeln, die Produktionsausfälle nachhaltig vermeiden.

Jeff Bezos, der Gründer von Amazon, hat sehr früh erkannt, dass Innovation und Scheitern wie zwei Seiten einer Medaille zusammengehören. Von ihm stammt das Zitat: „Nur wenn du ein System etablierst, in dem Scheitern nicht nur erlaubt ist, sondern zur Kultur gehört, sind bahnbrechende Innovationen möglich!“

Seien wir daher mutig und experimentierfreudig. Verlassen wir unsere Komfortzone, überschreiten auch mal Grenzen und lernen schnell aus Fehlern.