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„Wir müssen die Technologie mitgestalten.“
Während die einen intensiv über den digitalen Wandel nachdenken, gestalten ihn andere bereits in der Praxis. Sunnie J. Groeneveld macht beides. Die Unternehmerin und Expertin für digitale Transformation begleitet Organisationen durch die Herausforderungen neuer Technologien und Marktbedingungen. Im Interview verrät Sie, was den nächsten Innovationsschub in der IT auslösen könnte, wodurch Veränderungsbereitschaft entsteht und weshalb Leadership dabei entscheidend ist.

Sunnie J. Groeneveld ist Gründerin und Managing Partner der Beratungsfirma Inspire 925 mit den Schwerpunkten Mitarbeiter-Engagement, digitale Innovation und der Zukunft der Arbeit. In den vergangenen Jahren hat sie mit einer Vielzahl an Kunden – von internationalen Unternehmen und führenden Institutionen bis hin zu disruptiven Innovatoren – zusammengearbeitet. Davor war sie als erste Geschäftsführerin der nationalen Standortinitiative Digitalswitzerland tätig. Die Yale-Absolventin ist zudem Verwaltungsrätin des Schweizer Ingenieurunternehmens HHM Gruppe, des Medienhauses Galledia Group sowie der IT-Consulting- und Softwarefirma Emineo. Das Forbes Magazin hat Sunnie J. Groeneveld in die Liste der “30 under 30” aufgenommen.

  1. Welcher Informationstechnologie trauen Sie 2019 den großen Durchbruch zu?
  2. Sunnie J. Groeneveld: Ich glaube, Durchbrüche finden immer in Phasen statt. Aber ein Thema, das im Moment in der Schweiz besonders gespannt beobachtet wird, ist das Thema 5G. Da wird 2019 noch nicht der komplette Durchbruch stattfinden, aber doch ein sehr wichtiger Meilenstein, insofern, dass 5G sehr viel schnelleres Internet ermöglichen würde – wenn wir denn die ersten Pilotprojekte in der Schweiz haben könnten, dass hoffe ich sehr. Da sind noch Politik und Wirtschaft ein bisschen gefragt. Das würde für ganz viele Informationstechnologien noch mal einen Innovationsschub bedeuten. Die Standorte in der Schweiz und auch anderweitig erhoffen sich dadurch, dass sie 5G vielleicht früher ausrollen als andere, dadurch neue Technologien anziehen und einen Wettbewerbsvorteil ausbauen können. 

 

 

  1. Welche digitalen Trends werden die nächste Dekade prägen?
  2. Meiner Ansicht nach gibt es nicht den einen Trend, der die nächste Dekade prägen wird, sondern es geht um die Kombination verschiedener disruptiver Technologien. Machine Learning, AI und Robotics werden, glaube ich, gemeinsam große Veränderungen für verschiedene Industrien bedeuten. Sei es die Blockchain-Technologie, die beispielsweise die Finanzbranche grundlegend verändert wird, wie Transaktionen auf allen Ebenen abgeschlossen werden. Es gibt verschiedene Technologien, die zusammenwirken – und der Mensch wird das in der nächsten Dekade am stärksten in der Arbeitswelt merken, und zwar ganz grundlegend darin, wie wir zusammenarbeiten werden, wie wir miteinander kollaborativ Dinge anpacken. Sei es, dass wir geografisch komplett verteilt sind, sei es, dass wir mit Maschinen enger zusammenarbeiten oder anders zusammenarbeiten – das wird aus meiner Sicht die nächste Dekade ganz grundlegend prägen. Vielleicht ist also das mega Trendthema schlechthin, für die nächsten zehn Jahre, die Zukunft der Arbeit.

BECHTLE IT-FORUM SCHWEIZ.

 

 

Sunnie J. Groeneveld spricht als Special Guest beim Bechtle IT-Forum Schweiz am 26. März 2019 in der Umwelt Arena Spreitenbach.

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  1. Wie schaffen es Unternehmen, Begeisterung für die digitale Transformation zu entfachen?

Das ist meiner Ansicht nach ein ganz entscheidendes Thema: Wie ermöglicht man Veränderungen? Veränderung kann ja aus zwei Gründen stattfinden. Der eine Motivator ist eher der Leidensdruck und der andere die Begeisterung. Ich glaube, gerade in der Schweiz ist es ganz entscheidend, weil es uns ein Stück weit im Moment noch gut geht, dass wir die Begeisterung für Veränderung auf allen Ebenen in der Organisation entfachen. Das hat sehr viel mit Leadership zu tun und wie sich Leadership selbst verändern muss. Transformationsprojekte gelingen, indem man viele Menschen auf allen Ebenen dazu motiviert, ein Stück weit anders oder neu zusammenzuarbeiten. Das heißt, die Führung muss viel mehr enablen und viel weniger Command and Control ausüben. Ich glaube daher, die Frage, wie wir Begeisterung für Veränderungen hinkriegen, ist auch die Frage: Wie müssen wir die Führungskultur in Unternehmen verändern, so dass sie viel befähigender wird?

 

 

  1. Wie lässt sich der Innovationsgeist in Unternehmen fördern?
  2. Zunächst ist ein Aspekt, den es zu beachten gilt, die Art des Unternehmens. Ein Startup hat eine völlig andere Ausgangslage als ein Unternehmen, das schon 150 Jahre alt ist. In einem Unternehmen, das viel Historie mitbringt, ist die Frage, wieso man sich verändern soll. Vielleicht, weil man sich dafür begeistert, neue Visionen gemeinsam hinzukriegen. Oder weil man einen Leidensdruck spürt und das bisherige Geschäftsmodell nicht mehr funktioniert.

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  4. Die Veränderung für die digitale Transformation gelingt meiner Meinung nach am besten – in Europa, wo es uns ein Stück weit auch gut geht – wenn wir mit Begeisterung an Veränderungen rangehen. Eine entscheidende Ausgangslage dafür ist, dass wir allen klar machen, Führungskräften und Mitarbeitenden, dass die Technologie nicht uns gestaltet und uns auferlegt wird, sondern, dass wir die Technologie mitgestalten. Und dass wir immer noch im Mittelpunkt stehen als Mensch in dieser digitalen Transformation. Und dass wir dabei im Driver Seat sind.

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  7. Woraus schöpfen Sie persönlich Inspiration?

Ich bin jemand, der sehr gerne gestaltet. Ich habe sehr viel Freude daran, gemeinsam mit Menschen selbst zu gestalten, aber auch für andere Möglichkeiten zu kreieren, mitzugestalten. Ich arbeite deswegen gerne mit verschiedenen Unternehmen zusammen, sei es in Startups, sei es in Großunternehmen, um deren Unternehmenskultur dahingehend zu formen, dass es für alle zugänglich wird, ihren Beitrag zu leisten – weil ich davon ausgehe, dass Menschen sich gerne engagieren; ich engagiere mich ja auch sehr gerne. Was mich inspiriert, ist, andere zu treffen, die auch diesen Funken in sich tragen und gemeinsam etwas vorantreiben wollen. Ich glaube, das ist die größte Inspirationsquelle am Schluss: der Mensch.

 

 

Ansprechpartner.

Bechtle update Redaktion
update@bechtle.com

 

Links zum Thema.

  • Event: Bechtle IT-Forum Schweiz
  • Artikel: IT-Transformation beginnt in der IT-Organisation 
  • Artikel: Wie werden wir in Zukunft arbeiten? Collaboration-Experte Tony Redmond im Video-Interview
  • Artikel: Innovation Labs: Hotspots der Disruption

Veröffentlicht am 01.02.2019.