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Die zwei Gesichter der Digitalisierung – Kommentar zur Bitkom-Studie.
Die große Bedeutung der Digitalisierung haben die deutschen Unternehmen mittlerweile erkannt, doch nur 50 Prozent haben sie laut einer Bitkom-Studie in ihrer Geschäftsstrategie verankert und personelle Anpassungen vorgenommen. Das sei aber auch nicht unbedingt notwendig, meint Stefan Jesse, IT-Business-Architekt und Geschäftsführer im Bechtle IT-Systemhaus Mannheim, denn Digitalisierung habe mehrere Dimensionen. Er rät, in diesem Jahr die Digitalisierung von Geschäftsprozessen ganz oben auf die CIO-Agenda zu setzen.

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Kurzfassung der Studie: Die zwei Gesichter der Digitalisierung. 

Kunden ticken im digitalen Zeitalter anders, neue Wettbewerber stellen Märkte mit datengetriebenen Geschäftsmodellen auf den Kopf. Auch deutsche Unternehmen haben das erkannt, wie unsere aktuelle Studie zeigt, die wir im Auftrag von Tata Consultancy Services Deutschland GmbH erstellt haben. Die richtigen Schlüsse daraus zieht jedoch bislang nur jedes zweite Unternehmen: Gerade einmal 50 Prozent haben die Digitalisierung in ihrer Geschäftsstrategie und auch personell verankert.

Die Impulse zu digitalen Projekten und Initiativen kommen meist nicht aus der Chefetage. Vor allem die CIOs und IT-Abteilungen sind es, die den Wandel treiben. Immerhin die Hälfte der Befragten sagt, dass bestehende Produkt- und Serviceportfolios im Zuge der Digitalisierung verändert oder stärker individualisiert werden. Eine Vorreiterrolle übernimmt das Marketing: Drei von vier Unternehmen optimieren ihre Kampagnen mithilfe intelligenter Datenanalysen.

Vielerorts wird noch nach dem Prinzip „Security First“ gedacht: Geplant sind vor allem verstärkte Investitionen in IT-Sicherheitslösungen. Dabei sollten Unternehmen jetzt primär an ihre Zukunftsfähigkeit denken ─ und beispielsweise ihre Kunden direkt in die Produktentwicklung einbeziehen, um Waren und Dienstleistungen datenbasiert zu individualisieren. 

Außerdem ist der richtige Zeitpunkt gekommen, um über Social-Media-Strategien und Mobile Marketing als strategische Hebel nachzudenken. Auch digitale Plattformen für integrierte Lieferanten- und Dienstleisternetze und der intensivierte Einsatz von Cloud- und Big-Data-Lösungen können einen Vorsprung im Wettbewerb eröffnen. Und nicht zuletzt sind eine mobile Unternehmenssoftware und externe Spezialisten wichtig, um die Arbeitswelt durchgängig zu digitalisieren und zukunftsfähig zu machen. Das nötige Know-how dazu holen sich Unternehmen laut der Umfrage vor allem von IT-Dienstleistern. 
(Bild- und Textquelle: Bitkom-Studie)

Kommentar aus der Bechtle Praxis.
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Stefan Jesse, IT-Business-Architekt und Geschäftsführer Bechtle IT-Systemhaus Mannheim.

Die digitale Transformation bedeutet im Allgemeinen die Neuausrichtung der Geschäftsmodelle von einer produkt- zu einer servicedominanten Logik auf Basis allgegenwärtiger digitaler Infrastruktur. Um den digitalen Reifegrad eines Unternehmens zu erhöhen, muss Digitalisierung jedoch vorab im situativen Kontext verstanden werden. Die digitale Transformation hat nämlich zwei Dimensionen: zum einen die Digitalisierung von Geschäftsprozessen. Das ist das tägliche Geschäft der IT-Branche. Der Fokus ist hier vor allem auf höhere Effizienz, Margen und Produktivität, auf eine Senkung von Kosten und die Verbesserung der Leistungsfähigkeit gerichtet.

 

Die zweite Dimension ist die Digitalisierung von Geschäftsmodellen. Dabei geht es um die Anpassung bestehender und die Entwicklung ganz neuer Produkte und Services. Häufig führt dies zu disruptiven Innovationen. Die Autoren der Studie „Die zwei Gesichter der Digitalisierung“ stellen fest, dass die Kombination zukunftsweisender Technologien wie Cloud Computing, Big Data und mobile Endgeräte Chancen für eine flexiblere Arbeitsorganisation, individuelle Produktgestaltung oder einen besseren Kundenservice eröffnen.

 

Gleichzeitig ist ein wesentliches Ergebnis der Studie, dass vielen Unternehmen nach wie vor das Bewusstsein für den Charakter der Digitalisierung fehlt. Meiner Ansicht nach liegt das teilweise an einer allzu umfassenden Herangehensweise und reinen Betrachtungsweise des Themas Digitalisierung im Sinne disruptiver Geschäftsmodellveränderung. Damit meine ich nicht, dass die Definition einer zentralen Digitalstrategie nicht absolut notwendig ist und strategische Ziele im Kontext der Digitalisierung definiert werden müssen. Bechtle bietet in diesem Zusammenhang mit der Bechtle IT Landkarte (siehe Video unten) eine hervorragende und praxisbewährte Methodik an, um Unternehmen in genau dieser Aufgabenstellung zu unterstützen. Konkret: Um Effizienz zu erhöhen, Kosten zu senken oder Produktivität zu steigern, bedarf es nicht zwingend der zentralen Digitalstrategie. Gerade im Kontext Digitalisierung von Geschäftsprozessen lassen sich enorme Potenziale in den Bereichen Cloud Computing, Big Data und mobile Endgeräte ausschöpfen – teilweise schon mit sehr begrenztem Aufwand.

„Bei der Digitalisierung von Geschäftsprozessen lassen sich enorme Potenziale ausschöpfen – teilweise schon mit sehr begrenztem Aufwand." 


Stefan Jesse

Die Autoren der Studie stellen fest, dass Big Data und Business Intelligence (BI) viel konsequenter für die Generierung von Wettbewerbsvorteilen genutzt werden sollten. Dieser Meinung schließe ich mich vollumfänglich an. In einem vor wenigen Tagen abgeschlossenen Projekt bei einem mittelständischen Unternehmen konnten wir durch die Integration der BI-Lösung Microsoft PowerBI in die bestehenden Controlling-Prozesse deutliche Effizienzpotenziale im Prozessablauf generieren – bei gleichzeitiger Kostensenkung durch den Ersatz manueller Tätigkeiten.

 

Darüber hinaus konnte das Unternehmen durch PowerBI Wettbewerbsvorteile erzielen, indem im konkreten Fall Servicetechniker viel schneller und mit allen notwendigen Informationen versorgt an den Einsatzort gebracht werden können. Des Weiteren können Erkenntnisse aus vorhandenen Massendaten in Echtzeit verarbeitet und analysiert werden. Die so gewonnenen Insights können von verschiedensten Anspruchsgruppen auf allen verfügbaren Endgeräten an jedem Ort und zu jeder Zeit abgerufen werden.

 

Ich denke, dass auf dem Weg der digitalen Transformation und der damit verbundenen Definition einer Digitalstrategie vor allen Dingen die Digitalisierung von Geschäftsprozessen einer der am höchsten priorisierten Punkte auf jeder CIO-Agenda 2017 sein muss.

Ansprechpartner.

Stefan Jesse
Geschäftsführer Bechtle IT-Systemhaus Mannheim
stefan.jesse@bechtle.com

 

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