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3D-Druck: Technologie auf der Überholspur.
Vor knapp einem Jahr eröffnete Solidpro als einer der ersten zertifizierten Vertriebspartner für HP 3D-Drucklösungen in Deutschland ein Democenter am Firmensitz in Langenau. Mit einem zusätzlichen Showroom am Standort Paderborn sowie der neuen Partnerschaft mit dem Hersteller von Metall-3D-Drucklösungen Desktop Metal Inc. treibt der 3D-Technologie-Spezialist der Bechtle Gruppe das zukunftsträchtige Geschäftsfeld weiter voran. Über die Potenziale des 3D-Drucks, die nächste Evolutionsstufe sowie die Bedeutung neuen Denkens sprachen wir mit Solidpro Experte Valentin Kurtovic.

Der 3D-Druck ist ein wachsender Markt, der inzwischen über den Prototypen- und den Modelldruck hinausgeht. Welche Lösungen und Objektbeispiele präsentieren Sie in Langenau?
 

Vorweg gesagt: Um nicht mit den eigenen Kunden in Wettbewerb zu treten, nehmen wir keine Auftragsarbeiten an, sondern verweisen hierfür auf unsere Kunden, die teilweise als Lohnfertiger tätig sind. Wir drucken im Democenter in Langenau ausschließlich Benchmark-Teile, die zur Kaufentscheidung hinsichtlich der von uns präsentierten 3D-Druck-Lösung dienen – dabei handelt es sich um das System HP Jet Fusion 3D 4200, das sich sowohl für den Prototypenbau als auch für die Serienfertigung eignet. Die erzeugten Benchmark-Teile werden selbstredend vertraulich behandelt.

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Valentin Kurtovic
Solidpro GmbH

valentin.kurtovic@solidpro.de

 

 

Auf welche Resonanz stößt das HP 3D-Druck-Democenter?

 

Wir erhalten wöchentlich mehrere Anfragen von Unternehmen, die die Technologie sichten und sich die Prozesskette erläutern lassen möchten. Insbesondere Konstrukteure interessieren sich sehr für die Technologie und zeigen sich dabei häufig überrascht von der Leistungsfähigkeit und den Möglichkeiten der HP Systeme als 3D-Druck-Verfahren für die Serienproduktion.

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Das HP 3D-Druck-Democenter am Hauptsitz von Solidpro in Langenau.

 

 

3D hat noch viel Potenzial für Wachstum. Wie sehen Sie die Zukunft ?
 

3D-Druck wird in den Medien bereits als Milliardenmarkt bezeichnet. Wir sehen eine sehr vielversprechende Entwicklung, die wir in den nächsten Jahren sicherlich laufend nach oben korrigieren werden. 3D-Drucker sind ja bereits bei Discountern erhältlich, diese mögen vielleicht noch nicht die gewünschte Qualität liefern, aber sie begeistern durchaus den technikbegeisterten Verbraucher. Schüler und Studenten sammeln privat Erfahrungen, noch bevor sie in den Ausbildungsstätten mit der additiven Fertigung in Berührung kommen. In der Industrie kommen die ersten Hochleistungs-3D-Drucker zum Einsatz, die keine raren Spezialisten mehr zur Bedienung benötigen, da die mehrsprachige und interaktiv animierte  Benutzerführung auch dem Hilfs- oder Ferienarbeiter ein sicheres Handling erlaubt. Aber auch die Spezialisten müssen sich keine Sorge machen: Die digitale Produktentwicklung erfordert weiterhin Techniker, Ingenieure, Produktdesigner und andere Experten an vorgelagerter Stelle.

 

Die nächste Generation 4D ist bereits angekündigt – hat das Einfluss auf die Weiterentwicklung von 3D?
 

Im Medizinbereich sind Formgedächtnislegierungen, auch bekannt als „Memorymetalle“, wie zum Beispiel NiTiNol nicht mehr wegzudenken. Die erzeugten Gegenstände verändern bei Temperatur ihre Form (4D). Die nächste Generation ist somit vielmehr in der Entwicklung weiterer Materialien und Einsatzgebiete zu sehen sowie in deren Anpassung auf die Drucktechnologien. Unser Partner HP Inc. verfolgt hier eine wegweisende Strategie mit seiner „Open Material Platform“. Das bedeutet, jedes Unternehmen darf Materialien entwickeln und diese für die 3D-Drucker von HP zertifizieren lassen. Für die Materialzertifizierung beziehungsweise Freigabe bietet HP sogar entsprechende Laborgeräte an.


Welche Materialien eignen sich prinzipiell für 3D-Druckverfahren?

Hier gibt es eigentlich kaum Grenzen, denn es werden laufend Materialien und weitere 3D-Druckverfahren entwickelt. Das Spektrum reicht von Kunststoffen, Metallen und Verbundmaterialien bis hin zu Lebensmitteln und anderen organischen oder biokompatiblen Materialien. Gegenwärtig ist uns das ganze Potenzial noch gar nicht bewusst, weshalb hier noch viel Raum für Innovationen ist.

 

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Das 100 Quadratmeter große Democenter beherbergt eine HP Jet Fusion 3D 4200 Drucklösung.

 

 

Für welche Verarbeitungsformen bietet sich der 3D-Druck an?
 

Betrachtet man die zerspanende Branche global, so werden wir sicherlich auch in den nächsten Jahren noch deutliches Wachstum verzeichnen. Spezielle Anwendungen werden aber zukünftig stärker nach den ökonomischen wie auch nach ihren ökologischen Vorteilen bewertet. Je komplexer die Oberflächen, Hohlräume und Hinterschnitte sind, desto eher wird ein 3D-Druckverfahren im ersten Schritt interessant. In der Industrie gibt es bereits seit geraumer Zeit zahlreiche Anwendungsfälle, bei denen der 3D-Druck als Fertigungsverfahren fest etabliert ist.



Welchen Vorteile bringt der 3D-Druck mit Blick auf die Liefer- und Wertschöpfungsketten?
 

Die Vorteile liegen in geringeren Montage- und Rüstkosten, einer reduzierter Lagerhaltung sowie kürzeren Lieferzeiten und Entscheidungsprozessen. Beispiel Ersatzteile: Es gibt Industriezweige, die verschiedene Komponenten über Jahrzehnte hinweg vorrätig halten oder sich zumindest in die Lage versetzen müssen, diese jederzeit bei Bedarf zu produzieren. Neben den Lagerkosten für Material, Halbzeuge und Werkzeuge besteht hier zusätzlich das Risiko, dass sich Zeichnungsdaten verändern oder Kunststoffe über die Zeit hinweg auch ungenutzt altern. Hier eröffnet der 3D-Druck ganz neue Ansätze für eine flexiblere Bereitstellung.
 

Eine wichtige Rolle spielt auch die Fähigkeit, den Produktentstehungsprozess angesichts der Möglichkeiten des 3D-Drucks anders zu betrachten. Konstrukteure und Ingenieure entscheiden aufgrund ihrer Erfahrung oft in Sekundenbruchteilen, ob eine Idee wirtschaftlich sein kann und fertigungsgerecht ist. Diese intuitiven Entscheidungsprozesse müssen erst neu erlernt werden, um die Wertschöpfungspotenziale des 3D-Drucks in der Praxis zu erkennen und zu nutzen.

 
Ansprechpartner.

Valentin Kurtovic 
Solidpro GmbH
valentin.kurtovic@solidpro.de

Veröffentlicht am 24.07.2018.