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Agiles arbeiten – wie geht das?
Unternehmen, die heute noch um sich selbst kreisen, könnten eher früher als später von der Bildfläche verschwinden: Effizienz und organisches Wachstum reichen nicht mehr aus, eine bloße Stärkung der eigenen Teamarbeit auch nicht. Eine spannende Zukunftsstrategie kommt aus dem IT-Projektmanagement und der Softwareentwicklung: Agilität, also Beweglichkeit. Wie funktioniert sie? Und worauf müssen die Beteiligten achten?

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Der Rahmen ist gesteckt: Die Arbeitswelt verändert sich drastisch – die Digitalisierung wirkt sich überall aus. Friedhelm Böttcher beschreibt in seinem Beitrag „Agile Unternehmen“ eine Arbeitswelt, in der kein Stein mehr auf dem anderen bleibt. So übernehmen Maschinen immer mehr Arbeit im Hintergrund – unbemerkt vom Anwender, teils sogar mit der Herausbildung eigener Charaktere. Spezialisierte Bereiche wie etwa das Prototyping und Testing, jahrzehntelang eine Domäne unternehmenseigener Entwicklungsabteilungen, werden zunehmend in kleine, spezialisierte Firmen ausgelagert, Technologien wie der 3-D-Druck ersetzen ganze Prozessschritte, während Kunden- und Lieferantenbeziehungen allein durch Bewertungs- und Feedbacktools völlig neu definiert werden.

 

Auch kreative Wissensarbeit bestimmt zunehmend über unternehmerischen Erfolg, während Routinearbeiten unbedeutender werden. Gleichzeitig nimmt die Vernetzung von Menschen und Unternehmen weiter zu – und unternehmensübergreifende Projektarbeit ergänzt oder ersetzt sogar die klassische Arbeitsorganisation. Veränderungen, die auch die Beschäftigten in den Unternehmen betreffen. Der Trend zu flexiblen Arbeitsverhältnissen hält an. Und, so Böttcher, alle diese Veränderungsprozesse beschleunigen sich sogar noch. Viel Bewegung, Geschwindigkeit, Neues also. Die übliche Toolbox mit innovativen Produkten, Services und Vertriebssystemen reicht da nicht mehr.

 

Dr. Friedhelm Böttcher arbeitet als Coach und Consultant mit dem Fokus New Business Creation und Innovationsmanagement. Der promovierte Chemiker war über zwölf Jahre in leitender Position in der Industrie tätig. Seine Arbeit zielt unter anderem auf die Entwicklung agiler, innovativer Unternehmen. Böttcher ist Geschäftsführer der Contarix GmbH, Mitbegründer und Sprecher des Unternehmensnetzwerks future_bizz sowie Dozent für Strategieentwicklung und Entscheidungsfindung an der Freseniushochschule Idstein.

Was macht ein agiles Unternehmen anders?

Vor allem akzeptiert es die Welt als Ort permanenter Veränderung – nicht bloß „da draußen“, sondern überall, insbesondere innerhalb der eigenen Unternehmensgrenzen.

Das agile Unternehmen zeigt Gestaltungsfähigkeit: operativ, strategisch, organisatorisch und innerhalb des Business-Ökosystems. Starre Regeln werden über Bord geworfen: Es arbeitet lieber mit Prinzipien und Leitlinien – und setzt konsequent auf Selbstorganisation und individuelle Verantwortung. Agil zu sein heißt, in einer offenen Feedbackkultur zu lernen und zu gestalten. Wer etwas kann, soll es machen – auch außerhalb fest gefügter Regeln.

 

Und wenn das alles nicht reicht?

Dann kooperiert das agile Unternehmen. Mit externen Experten, anderen Unternehmen, Organisationen, Universitäten, kurz, es nutzt sein gut gepflegtes Netzwerk. Als Teil des unternehmensübergreifenden Ökosystems profitiert es von anderen – und umgekehrt. Die Beteiligten ergänzen und stärken sich auf intelligente Art und Weise, tauschen sich aus und helfen sich wechselseitig mit ihren spezialisierten Fähigkeiten – um gemeinsam zu wachsen. Neue Beziehungen und Verknüpfungen wirken stimulierend, sorgen für neue Sichtweisen und aktivieren bislang ungenutztes eigenes Können. Teilweise kooperieren auch frühere Konkurrenten, es entsteht eine Art Wettbewerb 2.0, bei dem im Rahmen neuer Kooperationen sogar die besseren Lösungen entstehen. Was nicht zuletzt die eigenen Kunden zufriedener machen dürfte.

 

Wie geht agil?

Der Weg zum agilen Unternehmen führt über fünf Gestaltungsfelder: das Erkennen von Veränderungen, eine kooperative Führung, direkte Kommunikation, Management von Komplexität sowie konsequente Projektarbeit. Zwei dieser Gestaltungsfelder sind besonders greifbar. Zum einen: Veränderungen erkennen, das heißt beobachten. Das Umfeld, die Kunden, Trends, aber auch Reaktionen auf eigenes Handeln. Zum anderen bestimmen Häufigkeit und Qualität von Kommunikation entscheidend darüber, wie agil und damit fit für die Zukunft ein Unternehmen werden kann. Dabei spielt übrigens die direkte, persönliche Kommunikation trotz aller technischen Möglichkeiten wie Webmeetings, Skype, Chats und Telefonkonferenzen eine herausragende Rolle:

 

 


 

Das (Silicon Valley als) Zentrum der virtuellen Welt hasst nichts mehr als virtuelle Kommunikation. (...) Fernbeziehungen sind verpönt.


Dr. Friedhelm Böttcher

 

Apropos Nähe: Einen echten Standortvorteil haben Unternehmen mit einer Hochschule im unmittelbaren Umfeld. In einer breit angelegten aktuellen Befragung beurteilen 75 Prozent der Hochschulleiter die Zusammenarbeit mit benachbarten Unternehmen insgesamt positiv – und damit weit besser als die Kooperation mit allen anderen Partnern. Es lohnt sich also, eigene Grenzen zu überwinden. Bevor es andere tun.

 
Grenzgänger – eine Auswahl.

Siemens sucht mit seinem weltweiten Technology to BusinessCenter seit über 15 Jahren intensiven Kontakt zu Startups. Ziel: Innovationen frühzeitig erkennen und fördern. Philosophie: „Wir können das Problem liefern.“

Procter & Gamble vernetzt sich seit vielen Jahren eng mit dem College of Design, Architecture, Art and Planning der University of Cincinnati, kooperiert gezielt mit Startups – und gewinnt erfahrene Ruheständler aus anderen Unternehmen für die eigene Produktentwicklung.

Rolls-Royce betreibt weltweit rund 30 Research and University Technology Centres (UTC). Sie fokussieren sich in Kooperation mit Universitäten auf jeweils eine bestimmte Schlüsseltechnologie für Flugzeugtriebwerke – und investieren direkt in Doktorandenstellen, Ausstattung und praxisbezogene Forschungsprojekte.

Kinshofer und Vemcon: Der Baugerätehersteller aus Waakirchen kooperiert mit der kleinen 5-Mann-Firma Vemcon aus München – Spezialisten für die Steuerungstechnik mobiler Arbeitsmaschinen. Kinshofer profitiert direkt von den Innovationen, Vemcon kann sich zum Beispiel auf großen Messen wie der BAUMA präsentieren.

Schweizer Bundesbahn und JustBook – zwei ungleiche Partner mit Vorteilen für beide Seiten. Die Bahn kann neue Modelle der Mediavermarktung testen, das Startup nutzt die große Reichweite des Mobilitätskonzerns.

Ansprechpartner.

Dr. Friedhelm Böttcher
Website Contarix GmbH

 
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Veröffentlicht am 26.10.2016.