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Digitalisierung – und nun?
Cloud, Industrie 4.0, Internet der Dinge lauten große Schlagworte und Google-Hits der vergangenen Jahre. Jetzt macht ein noch größeres Wort die Runde, in dem das alles und mehr inbegriffen scheint: Digitalisierung. Was ist wirklich unter der neuen Überschrift zu fassen? Wie packen wir das Thema nun an? Diesen und anderen Fragen lohnt es sich nachzugehen. Denn Digitalisierung ist kein „One Hit Wonder“, sondern bringt einen grundlegenden und nachhaltigen Wandel mit sich. Das können wir als erste Antwort schon mal festhalten.
1. Wer digitalisiert wen oder was?

Die diesjährige CeBIT hatte sich zum zweiten Mal das Motto „d!conomy“ auf die Fahnen geschrieben (hier geht's zu unserem Artikel über die CeBIT). Gemeint ist die Digitalisierung von Wirtschaft und Märkten, öffentlicher Hand und Verwaltung sowie der Gesellschaft. Alles wird digital – mit Ausrufezeichen. Und das ist für jeden gesetzt. Keine Branche und kein Unternehmen bleibt unbetroffen. Keine Organisation, kein Geschäftsmodell unberührt. Ob B2B oder B2C, Wohltätigkeitsverein oder Steuerbehörde.

 

Um die eigene Digitalisierung erfolgreich anzustoßen, ist IT der Hebel. Die steht nicht mehr im Keller, sondern im Zentrum aller Unternehmungen und Überlegungen. Sämtliche Abteilungen sind nicht nur durch sie, sondern mit ihr vernetzt. Das bedeutet nicht zuletzt: Neue Organisationsstrukturen halten Einzug. Geschäfts- und IT-Verantwortliche sitzen an einem Tisch – auch auf oberster Führungsebene. Ein CDO (Chief Digital Officer) ist die Personifizierung des neuen Paradigmas.

 

Weitere Treiber im Unternehmen sind häufig Marketing und Vertrie: Sie nutzen digitale Kundendaten für eine zielgerichtete Kommunikation oder verbessern ihr Customer Relationship Management mit individualisierten Services. Dabei werden auch zunehmend Maschinen eingeschaltet, die als „Dinge des Internets“ zum Beispiel Wartungszustände an ihre Betreiber melden.

 

Es gibt unendlich viele Stellschrauben der Digitalisierung. Wer Ideen einbringt, daran zu drehen, macht sein Unternehmen zukunftsstark und sollte Unterstützung finden.

 

2. Wer sind die Pioniere der Digitalisierung?

Die Disruption ist Schwesterbegriff und Begleiterscheinung der Digitalisierung. Die Musikindustrie kann ein Lied davon singen. So war die CD als neues digitales Produkt früh am Markt, und wird dennoch vom komprimierten MP3- Format kalt erwischt. Im Strudel der Streaminganbieter geht sie fast unter. Aus einem zunächst illegalen entsteht ein höchst erfolgreiches Geschäftsmodell.

 

Dieses Prinzip hat ausgerechnet ein Schwergewicht der alten Industrien genau verstanden – und das eigene Geschäftsmodell infrage gestellt, bevor es andere tun. Der Stahlriese Klöckner hat sich selbst neu erfunden und unter kloeckner-i.com eine Plattform entwickelt, die Prozesse der Stahlbranche digitalisiert. Start-up-Spirit statt Konzerndenke. Die dafür notwendigen Ressourcen hat sich das Unternehmen extern herbeigeholt.

 

Mit derselben Konsequenz hat Ströer einen anderen Weg eingeschlagen. Der Marktführer für Außenwerbung erweitert seine Wertschöpfungskette durch massenhafte Akquisitionen digitaler Dienstleister. So werden zunehmend elektronische Werbeflächen nicht nur vermietet, sondern auch eigene Inhalte damit vermarktet und datengetriebene Kampagnen besser unterstützt.

 

Beide Ansätze haben eins gemeinsam: Sie hinterfragen ihr bestehendes Geschäftsmodell radikal und richten es so aus, dass es unangreifbar wird. Denn die nächste Disruption steht immer schon bevor.

Der Handel wird hybrid.

E-Commerce goes analog und konventionelle Geschäfte werden digital. Zwei bisher diametrale Vertriebswege des Handels kreuzen sich zunehmend gegenseitig. In Einzelhandelsfilialen finden sich digitale Schaufenster, interaktive Umkleiden und Displays, um Waren zu bestellen, die nicht vor Ort zu haben sind. Umgekehrt eröffnen Onlineshops physische Geschäfte: Zalando in Berlin, das Otto-Label „Edited“ dreimal in Deutschland, Alibaba in Nordchina, Amazon den ersten Bookstore in Seattle. Es wird spekuliert, dass daraus Hunderte Buchläden werden könnten oder  Amazon eines der ganz großen Handelsunternehmen gleich komplett übernimmt.

3. Was hat noch Potenzial?

Die Unternehmensberatung Arthur D. Little hat einen „Digital Transformation Index“ entwickelt, um den digitalen Reifegrad verschiedener Branchen messen und vergleichen zu können. Demnach haben deutsche Unternehmen noch viel Luft nach oben, wobei den Bereichen Automobilindustrie, Maschinenbau und Logistikeine führende Rolle zugetraut wird.


Ein wichtiges Zukunftsfeld bilden auch der Bildungssektor und die öffentliche Verwaltung. Hier wird der Zugang zu Wissen durch neue digitale Plattformen einerseits vereinfacht, andererseits haben sich Schulen und Behörden noch keine guten Noten verdient.

Gerade hat jedoch Sigmar Gabriel, Bundesminister für Wirtschaft und Energie, auf der CeBIT die „Digitale Strategie 2025“ vorgestellt. Sie umfasst „Zehn Schritte in die Zukunft“ und lässt hoffen, dass Deutschland sich jetzt die Siebenmeilenstiefel anzieht. Dazu passt, dass Sigmar Gabriel auch die Schirmherrschaft des neu installierten „Digital Leader Awards“ übernommen hat. Ende Juni werden in Berlin „die besten Digitalisierungsprojekte“ausgezeichnet. Man darf schon jetzt gespannt sein.

 

4. Wie betreibt man die Digitalisierung?

Digitalisierung ist zwingend. Das muss man wissen und anerkennen. Ohne wenn und aber. Und: Digitalisierung ist ein fortlaufender Prozess. Transformation ohne Ende.


Wer sich das – als führendes Management – auf die Fahnen schreibt, wird sein Unternehmen, seine Organisation voranbringen. Dabei ist der Ausgangspunkt egal. Es gilt, einen pragmatischen ersten oder nächsten Schritt zu gehen. Am besten mit einem Partner, der den digitalen Reifegrad erfassen und den weiteren Weg aufzeigen kann.


Wer noch am Anfang steht, wird zunächst die IT-Infrastruktur „digital ready“ machen und standardisieren, was geht. Um Cloud-Lösungen zum Einsatz zu bringen und Prozesse und Services transformieren zu können. Damit das alles zusammenspielt, bedarf es dann der „Orchestrierung“ aller eingesetzten Instrumente. Diese Kunst kommt vom Können, das erfahrene IT-Partner mitbringen.

 

5. Was nimmt die Menschen mit?

Mit der Digitalisierung setzt sich auch die Automatisierung fort. Die Roboter werden mehr und sie lernen dazu; kommende Generationen haben zunehmend „künstliche Intelligenz“ auf dem Kasten.

Damit ist klar, dass sich der Wettbewerb von Menschen und Maschinen bei bestimmten Tätigkeiten weiter verschärft. Bei anderen Aufgaben arbeiten beide Seiten zusammen oder digitale Hilfsmittel unterstützen bei der Arbeit. So werden bei Bechtle Smart Glasses für die Warenlogistik genutzt, in anderen Unternehmen kommen bereits Augmented-Reality-Lösungen für Wartungen und Reparaturen zum Einsatz.

Ob erweiterte oder komplett virtuelle Realitäten: Die entsprechenden Tools befähigen Menschen ohne umfassendes Vorwissen, auch komplizierte Maschinen bedienen oder komplexe Fertigungsschritte absolvieren zu können. Bei all dem weiß unterm Strich niemand genau, wie viele Arbeitsplätze durch die Digitalisierung einerseits verloren gehen und andererseits geschaffen werden.

Fest steht: Es werden auch künftig die Menschen sein, die digitale Geräte und Anwendungen entwickeln oder hervorbringen. Damit sind nicht nur Softwareingenieure oder Programmierer angesprochen. Denn Mitarbeiter aller Ebenen und Geschäftsbereiche sind mit ihren eigenen Arbeitsumfeldern am besten vertraut. Mit diesem Wissen können sie viel dazu beitragen, die richtigen Prozesse auf die sinnvollste Weise zu digitalisieren, um produktiver und besser zu werden.

Deshalb muss die Unternehmensführung zwar die Digitalisierung vorantreiben, dabei aber immer im Blick behalten, die Organisation auch kulturell zu durchdringen. Alle Mitarbeiter und ihre Qualitäten wollen dabei mitgenommen werden, um die digitalen Potenziale voll auszuschöpfen. Digitalisierung verläuft am erfolgreichsten horizontal und vertikal, von „Shop Floor“ bis „Top Floor“, kreuz und quer.

Die CDOs kommen.

Chief Digital Officers sind die Neuen in den Chefetagen. Immer mehr große deutsche Firmen haben oder suchen einen CDO. Das Marktforschungsinstitut Gartner erwartet, dass 90 Prozent der Großorganisationen weltweit diese Position bis 2019 besetzt haben. Allein in den vergangenen zwei Jahren habe sich die Anzahl der CDOs von 400 auf 1.000 mehr als verdoppelt. Wer an dieser Stelle auch Bedarf sieht: Studie und 90-Tage-Aktionsplan unter deloitte.ca/chief-digital-officer

6. Wie macht Bechtle das?

Ist ein IT-Unternehmen eigentlich „digital by nature“? Jein. Weil Hard- und Software nicht alles sind, sondern zukünftig alles digital. Deshalb hat Bechtle die eigene IT-Abteilung auch mit „360° Business-Sicht“ neu organisiert. Als Dienstleister, der hilft, erfolgreich Geschäfte zu machen. Mit einem Business Account Management, an das die Geschäftseinheiten ihre Anforderungen richten können. Diese Schnittstelle vermittelt und „übersetzt“, damit beide Seiten Projekte mit dem selben Verständnis angehen.

Ähnlich hält Bechtle das auch bei Kunden. Hier sind es „IT-Business-Architekten“, die sowohl Verständnis für Geschäfts- als auch für IT-Prozesse mitbringen. Und das ist das A und O bei der Digitalisierung. Die Architekten sind in der Lage, Geschäftsmodelle zu planen und aufzubauen und mit passenden IT-Landschaften zu umgeben.

Beim 12. Bechtle Competence Day 2016 wurde im Übrigen das Thema „Digitalisierung – Chancen einer zukunftsstarken IT“ ausführlich erörtert. Über 2.500 Besucher fanden sich in Neckarsulm ein, um an zwei Tagen mehr als 70 Vorträgen zu folgen und vielfältige Livedemos zu erleben. Auch das ein Zeichen dafür, dass Digitalisierung den „Nerv“ der IT-Verantwortlichen trifft.

Versichern – wie jetzt?

Wer seine körperliche Fitness nicht nur mit dem Smartphone, sondern auch der Krankenversicherung teilt, kann schon jetzt mit einem Tarifbonus rechnen. Andersrum muss vielleicht bald teurer bezahlen, wer keine zählbaren Joggingkilometer und Liegestütze hochladen kann. Ähnlich wird bei der Autoversicherung verfahren, die defensives Verkehrsverhalten misst und belohnt. Der Versicherungsmarkt ist mit der Digitalisierung im Umbruch. Vielleicht nutzt auch Google seine Daten, um ins Geschäft einzusteigen. Oder in Facebook-Gruppen wird das Versichern auf Gegenseitigkeit neu organisiert. Oder was kommt als Nächstes?

7. Und nun? Was tun?

Die Digitalisierung ist kein Hype, sondern Fakt. Sie ist aber auch keine Revolution, die von heute auf morgen alles auf den Kopf stellt. Sondern ein evolutionärer Prozess, der sich stetig entwickelt und uns langfristig begleiten wird.

Die Zeit ist reif, um jetzt die eigene Digitalisierung voranzutreiben. Die IT mit ihren Prozessen und Services ist so weit, Unternehmen und Organisationen auf den Weg zu bringen und zu begleiten. Pragmatisch, konkret und auf den jeweiligen Digitalisierungsgrad zugeschnitten. Ausprobieren, schrittweises Entwickeln und Betastrategien sind dank flexibler IT-Lösungen ausdrücklich erlaubt und machbar.

Praktisch unterwegs sein lautet die Marschroute. Mit oder ohne Chief Digital Officer als Anführer. Sie finden Ihren Weg.

Veröffentlicht am 20.10.2016.