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Auf die Cloud, fertig, los?
Wer mit Cloud Computing starten will, sollte nicht einfach losrennen. Welche Aspekte zu beachten sind, beschreibt Franz Winkler, IT-Business-Architekt im Lead Competence Center für Virtualisierung, Bechtle IT-Systemhaus München.
Herr Winkler, ein Kunde möchte in „die Cloud“, welche ersten Schritte empfehlen Sie ihm?

Wir raten, die IT-Erweiterung in die Cloud sorgfältig zu planen und als Teil der IT-Strategie zu verankern. Häufig erfolgt die „Cloudifizierung“ unkontrolliert und oft ohne Wissen der IT-Abteilungen. Dieses Übergehen der IT-Governance gefährdet technisch und rechtlich die Sicherheit der Unternehmensdaten. Welche IT-Dienste für die Cloud infrage kommen, hängt stark von der jeweiligen Unternehmenssituation ab. Wichtig ist, im Vorfeld zu klären, ob das Unternehmen selbst in Cloud-Technologie investieren will, ob es auslagern oder einen hybriden Ansatz wählen möchte.

 

Nach welchen Kriterien kann ein Unternehmen Anbieter beurteilen?

Wenn ein Unternehmen seine IT für Cloud-Anbieter öffnet, muss den Verantwortlichen bewusst sein, dass sie einen Teil der IT-Verantwortung an Externe abgeben. Dabei können Zertifikate Unternehmen bei der Provider-Auswahl eine Orientierung geben, welche Richtlinien bezüglich Sicherheit, Datenschutz und Compliance, aber auch für Betriebsprozesse und Infrastruktur eingehalten werden. Ein Manko ist jedoch, dass es für die heute existierenden Cloud-Zertifikate noch keine Standards gibt, was und wie zu zertifizieren ist.

 

Zeichnet sich hier eine Tendenz ab?

Wir gehen in der Regel davon aus, dass standardisierte, modulare Dienste mit hoher Elastizität diejenigen sind, die zuerst betrachtet werden. Außerdem bietet die Einführung neuer Services ein großes Potenzial für die Bereitstellung von Cloud-Diensten. Wohingegen Dienste, die Unternehmenskernprozesse betreffen oder in hoher Abhängigkeit untereinander stehen, meist in der Private Cloud bleiben.

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Franz Winkler als Referent beim Bechtle Competence Day 2016.

Beobachten Sie bei Unternehmen eine Zurückhaltung nach dem Safe-Harbor-Urteil?

Die Unsicherheit ist am Markt klar zu spüren. Sie führt in den meisten Fällen dazu, dass sich Unternehmen nach deutschen oder zumindest europäischen Alternativen im Cloud-Markt umschauen. Aber auch bei amerikanischen Anbietern ist ein Umdenken zu spüren, etwa bei Microsoft. So halten einige Provider eigene Cloud-Dienste für den deutschen Markt bereit, ohne dass dabei Daten ins Ausland übermittelt werden.

 
Werden diese neuen Angebote den Markt beeinflussen?

Modelle wie das „Daten-Treuhandmodell“, das Microsoft seinen Kunden im Rahmen einer deutschen Microsoft Cloud bietet, werden den Cloud-Markt in Deutschland sicherlich beeinflussen. Einerseits herrscht eine Unsicherheit aufseiten der Unternehmen bezüglich des Umgangs mit ihren Daten, andererseits wird die Kombination der Anbieter durchaus angenommen. Ich sehe die Zukunft eher in internationalen Vereinbarungen wie dem „EU-US-Datenschutzschild“ als in nationalen Insellösungen.

 
Ist es für Unternehmen schwierig, den einmal ausgesuchten Anbieter zu wechseln?

 

Hat sich ein Unternehmen für einen Cloud-Anbieter entschieden, besteht schon die Gefahr der Herstellerabhängigkeit. Leider gibt es noch keine einheitlichen Standards und ein Anbieterwechsel wird häufig durch die Nutzung von bestimmten anbieterspezifischen Technologien oder Kosten- und Leistungsmodellen erschwert. Grundsätzliche Strategien wie Hybrid- und Multi-Cloud sowie technologische Entwicklungen wie Open-Stack reduzieren dieses Risiko bis zu einem gewissen Grad.

 
Was empfehlen Sie?

Wir empfehlen, bereits beim Vertragsabschluss darauf zu achten, dass exakt definiert ist, wie mit Daten und Anwendungen in der Cloud verfahren wird, das heißt: Wie gehen die Daten in die Cloud und wie gelangen sie zurück? Hierbei spielen standardisierte Formate und Schnittstellen eine genauso wichtige Rolle wie Fragen der Datensicherheit und Compliance. Wichtig ist vor allem eine klare Regelung, wer Inhaber der Daten und Programme ist oder was etwa bei Insolvenz des Diensteanbieters mit den Daten geschieht.

Ansprechpartner.

Franz Winkler
IT-Business-Architekt im Lead Competence Center für Virtualisierung
Bechtle IT-Systemhaus München

franz.winkler@bechtle.com

 

Links.

Profil IT-Systemhaus München

 

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Veröffentlicht am 06.09.2016.