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Weltklasse-Design in besonderer Mission – mit der 3D-CAD-Software Solidworks.
Mit dem „Impulse Boost“ katapultierte Simon Weber den Monoskibob raus aus der Amateurklasse hinein in die Hightech-Profiliga. Die fulminante Feuertaufe erlebte seine Kreation anlässlich der alpinen Paraski-WM im italienischen Tarvisio, als Christoph Kunz Anfang 2017 im Super-G zum Sieg raste. Konstruiert wurde das schnelle Gerät mit der 3D-CAD-Software Solidworks.

Eigentlich, sagt Simon Weber, lag der Spitzensport gar nicht in seinem Fokus. Als er sich 2008 erstmals im Rahmen seiner Diplomarbeit im Studiengang Designingenieur mit dem Thema Monoskibob befasste, wollte er ein taugliches Breitensportskigerät für Paraplegiker entwerfen. Den passionierten Skifahrer und Freizeit-Skilehrer ärgerten die damals unkomfortablen und schwerfälligen Modelle. Er wollte sie durch ein innovatives System ersetzen: „Meine Intention war auch, mehr Paraplegikern das Skifahren zu ermöglichen, um dadurch Selbstvertrauen und Selbstsicherheit zu fördern.“ 2013 wagte er schließlich mit der Unicent GmbH den Schritt in die Selbstständigkeit und realisierte die erste Vorserie seines revolutionären Impulse Boost-Monoskibobs.

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Simon Weber, unicent GmbH, hat zwei Mannjahre Entwicklung, Konstruktion und Testing in seinen neuen Monoskibob investiert. (Bild: Bruno Petroni)

Die Diplomarbeit schuf die Basis, der Rest war Trial-and-Error. Im Vordergrund seines Entwurfs stand für Simon Weber die Einsicht: „Ein Gerät für den behinderten Breitensportler muss genügend Unterstützungsmerkmale aufweisen, damit er sich allein auf die Tätigkeit, in diesem Falle das Skifahren, konzentrieren kann und nicht das Funktionieren des Geräts seine ganze Aufmerksamkeit und Kraft in Anspruch nimmt.“

Ein Gerät für den behinderten Breitensportler muss genügend Unterstützungsmerkmale aufweisen, damit er sich allein auf die Tätigkeit, in diesem Falle das Skifahren, konzentrieren kann und nicht das Funktionieren des Geräts seine ganze Aufmerksamkeit und Kraft in Anspruch nimmt.

 

Simon Weber, Geschäftsführer unicent GmbH

Mit dem Impulse Boost ist die Umsetzung dieser Maxime in hohem Maße gelungen. Der modulare Aufbau besteht aus einem gefederten Grundkörper aus diversen Metallkomponenten. Darauf wird die individualisierbare Sitzschale aus Carbon angebracht. Die Verbindung mit dem Ski erfolgt analog zum Skischuh durch Einklinken in die Bindung. Zentrales Element des Grundkörpers ist die Federung, bestehend aus einem Dämpfer, wie sie die Downhill-Bike-Szene verwendet: Je nach Fahrstil und Gewicht können individuelle Einstellungen gewählt werden.

 

Zudem sorgt die Dämpfungseinheit in Zusammenspiel mit einer ausgeklügelten Kinematik des Grundkörpers für eine stufenlose Einstellung der Sitzhöhe inklusive Aufstiegshilfe beim Liftfahren.

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Dazwischen liegen Welten: Monoskibob alt (links) und in der Version Impulse Boost als Hightech-Gerät. 
(Bild: TR)

„Der Grundkörper und die Mechanik wirken wie das Skelett“, zieht Simon Weber den Vergleich zum menschlichen Körper, „und die Dämpfungseinheit bildet die Muskeln und Sehnen ab, übernimmt aber auch Steuerungsfunktionen wie das menschliche Gehirn.“ Entworfen und konstruiert hat der findige Ingenieur und Designer seinen Monoskibob mithilfe der 3D-CAD-Software Solidworks Premium. „Ohne 3D-Volumenmodellierung hätte ich diese komplexen Entwürfe gar nicht ausführen können“, sagt Simon Weber. Als Konstruktions-, Montage- und Marketingabteilung in Personalunion kommt ihm zudem die breite Anwendungspalette und intuitive Bedienung der Software sehr entgegen. Zumal er nicht Tag und Nacht konstruiert, eher im Gegenteil: Im Winter sind Versuche auf der Skipiste angesagt, und immer wieder gibt es Zeiten, in denen er die Monoskibobs montieren muss. „Im Vergleich zu anderen CAD-Programmen“, erzählt Simon Weber, „gelingt der Wiedereinstieg in Solidworks sehr einfach und schnell.“

Wenn sich in der Vorserie herausgestellt hätte, dass ein Mechanismus nicht so klappt wie gewünscht, hätte ich ohne diese Abhängigkeiten alles nochmals konstruieren müssen. So musste ich nur die Grundskizze anpassen; der Rest passierte automatisch. Der Zeitgewinn ist enorm.


Simon Weber, Geschäftsführer unicent GmbH

Zu den Schlüsselfeatures der Software zählt für ihn die layoutgestützte Baugruppenkonstruktion. Hauptvorteil: die automatische Aktualisierung der Baugruppe und ihrer Teile bei einer Veränderung der Layout-Skizze: „Wenn sich in der Vorserie herausgestellt hätte, dass ein Mechanismus nicht so klappt wie gewünscht, hätte ich ohne diese Abhängigkeiten alles nochmals konstruieren müssen. So musste ich nur die Grundskizze anpassen; der Rest passierte automatisch. Der Zeitgewinn ist enorm", sagt Simon Weber. Auch die Tatsache, dass er in der 2D-Ansicht sehr komplexe Bewegungsabläufe simulieren kann, indem er einfach Punkte verschiebt, um zu sehen, welche Auswirkungen an anderer Stelle zu sehen sind, fasziniert den Ingenieur.

 

Als sehr komfortabel und überaus effektiv empfindet Weber die Rendering-Funktionalitäten der Software: „Es war für mich ein wesentlicher Punkt, dass ich von der ersten Idee bis hin zur Konstruktion und Vermarktung alles in Eigenregie umsetzen wollte und mit Solidworks auch konnte.“

 

Dazu gehören neben der Erstellung von Werbemitteln und Flyern auch die Präsentation des Produkts mit wirkungsvollen, da täuschend echt aussehenden Renderings anhand der PhotoView-Funktion.

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Professionelles Rendering: Licht, Spiegelung, Glanz – mit viel Fleiß und PhotoView kommt die perfekte „Aufnahme“ zustande.

Viel Unterstützung erhielt der findige Jungunternehmer auch seitens der Solid Solutions AG, Solidworks Partner in der Schweiz und ein Unternehmen der Bechtle Gruppe. Vor allem die Nähe zur Niederlassung in Gümligen bei Bern ersparte in der Anfangsphase den ein oder anderen Weg ins weiter entfernte Zürich. „Man merkt, dass hier Profis am Werk sind, die ihre Programme und Tools beherrschen“, betont Simon Weber. „Ich hatte auch nie das Gefühl, dass ich als Kleinunternehmer mit einer Lizenz anders behandelt werde als ein Großer mit 20 oder 30 Lizenzen.“

 

 

Internationalisieren und Diversifizieren.

Das nächste Etappenziel für Simon Weber lautet nun, das Sportgerät national und international intensiver zu vermarkten, um auf eine wirtschaftliche Auslastung von 30 bis 50 Einheiten pro Jahr zu kommen. In diese Strategie passt auch die Überlegung, die Marke „Impulse" um diverse Variationen zu erweitern: „Das System bietet dazu die besten Voraussetzungen, da Schnittstellen für weitere Anwendungen bereits vorhanden sind.“ So könnte er sich vorstellen, anstelle eines Skis mit zwei Skiern oder Rollen zu experimentieren, um das Gefährt auch für den Nichtbehinderten-Breitensport zugänglich zu machen.

 

Ein andere Überlegung ist schon weiter fortgeschritten, und dieser passt bestens in das kreative Selbstverständnis von Simon Weber: Mit einer Sitzmodifizierung könnte aus einem selbstfahrenden Monoskibob ein von einem Begleiter geführtes Sportgerät werden. „Es wäre für jemanden mit einer Mehrfachbehinderung eine deutliche Steigerung der Lebensqualität, auch im geführten Bereich häufiger selbst bestimmen zu können, wie und wohin man fährt.“

 

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Christoph Kunz rast mit bis zu 100 km/h auf dem Impulse Boost zum Sieg bei der Paraski-WM 2017. (Bild: Marcus Hartmann)

Veröffentlicht am 31.01.2018.