Transparente Lieferketten: Noch wenig zu sehen.

Wie kommt der Fisch auf den Tisch? Welches Zertifikat trägt das Holz für den Tisch? Wo bleibt die Lieferung der bestellten Stühle, des Laptops, der Webcam? Wann ist das konfigurierte Auto verfügbar, wann wird es produziert, welcher Antrieb wird verbaut, an welcher Station der Fertigungsstrecke, in welcher Fabrik? Wer kann das nachvollziehen? Und wie? Und wo?

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Immer mehr Verbraucher wollen wissen, woher kommt, was sie kaufen, und unter welchen Bedingungen es hergestellt wurde. Unternehmen müssen das sogar wissen: Die Transparenz von Lieferketten ist essenziell, um Produkte unter allen Umständen zuverlässig und just in time an ihren Zielort zu schaffen. Und die Umstände sind kompliziert bis unberechenbar. Oft sind komplexe und globale Zuliefererstrukturen eingebunden. Bei Engpässen, Ausfällen oder Ereignissen höherer Gewalt schnell reagieren zu können, just in case andere Optionen vorzuhalten und zu nutzen, erfordert einen kompletten Überblick. Zeit für ein vollständig digitalisiertes, integriertes Supply Chain Management.

Das Unternehmen followfood gehört zu den Pionieren der Warenrückverfolgung von Lebensmitteln. Es hat sogar sein Geschäftsmodell darauf aufgebaut, Verbrauchern ein vertrauenswürdiger Anbieter von ökologisch zertifiziertem Lachs und Thunfisch zu sein. Mit followfish hat es angefangen, inzwischen sind auch Pizza, Gemüse, vegane Fertiggerichte und Eis im Sortiment. Das Geschäft läuft gut, Tendenz weiter wachsend. Das Konzept passt in die Zeit und entspricht den Wünschen umweltbewusster Konsumenten.

Ein Fisch hat Gräten, ein Auto auch gern 30.000 Einzelteile.

Nun ist das Tracking von Fisch vergleichsweise einfach: Ort des Fangs oder der Zucht, Transportweg, Verarbeitung – das war’s schon an wesentlichen Informationen. Selbst bei Tiefkühlmenüs sind die Zutaten und Zulieferer überschaubar. Die Anforderungen der Industrie, die just in time produziert, sind da doch wesentlich komplexer. Schon die Anzahl der Teile, der Zulieferer und der Sub-Zulieferer mit Standorten in verschiedenen Ländern ergeben ein Vielfaches an Beteiligten, Schnittstellen und Abhängigkeiten.

Schon ein einziger Fehler im System – ein Teilprodukt mit Qualitätsmängeln, ein insolventer Lieferant – zieht eine Menge Probleme nach sich. Zusätzlich können externe Einflüsse eine Rolle spielen: etwa Beschränkungen des internationalen Warenverkehrs durch den Brexit, aufgrund von Sanktionen oder Boykotten. Durch Konflikte und Kriege, aber auch Klimakatastrophen oder Pandemien können Lieferketten komplett zum Stillstand kommen. Oder es müssen ganz schnell neue Kapazitäten für dringend gebrauchte Güter aufgebaut werden. Viele Unternehmen haben zuletzt ihre komplette Produktion umgestellt, um Masken oder Desinfektionsmittel herzustellen. Die Herstellung und Verteilung von neuen Impfstoffen bildet aktuell sogar eine existenzielle Herausforderung.

Große Anforderungen stellen auch Fragen nach CO2-Emissionen, Umweltschutz und Nachhaltigkeit generell, nach fairen und den Menschenrechten entsprechenden Produktionsbedingungen. Unabhängig davon, wie es um die Einhaltung von diesbezüglich bestehenden und geforderten Normen steht: Die Anzahl und Komplexität der potenziell relevanten Parameter von Lieferketten erscheinen ganzheitlich betrachtet kaum überschaubar.

Um zu einem grundlegenden Steuerungsansatz zu kommen, ist, wenig überraschend, konsequente Digitalisierung nötig – unter Vernetzung aller Beteiligten. In den meisten produzierenden Unternehmen sind Systeme etwa für ERP, PLM, ECM und CAD ohnehin im Einsatz, vermutlich auch ein Supply Chain Management. Der Fokus liegt auf den eigenen Prozessen. Erst einmal gilt es, so kostengünstig, effizient, flexibel und zuverlässig wie möglich die denkbar beste, gleichbleibende Qualität zu produzieren und zu liefern. Die Beschaffung von Rohstoffen und Teilen, Distribution und Logistik sind dabei Teil der Betrachtung. Der Integrationsgrad und die Intelligenz der eingesetzten Programme fällt dabei ganz unterschiedlich aus. Wie werden die Daten erfasst, verarbeitet, verknüpft und aufbereitet? Was ist automatisiert? Wie wird analysiert? Kommt Künstliche Intelligenz zum Einsatz? Können Prozesse virtuell simuliert werden? Und nicht zuletzt: Ist der Datenaustausch mit vor- und nachgelagerten Partnern in der Wertschöpfungskette geregelt?

Daten sind die Anker der Lieferkette.

In einer Welt der hochgradigen Vernetzung und vielfältigen Abhängigkeiten sind Schnittstellen elementar. Sie ermöglichen gemeinsame Datenräume entlang der digitalen Supply Chain, damit bei der Verteilung von Gütern alle Parteien „on track“ sein können. Noch weiter oben auf der Agenda stehen nur „smarte Objekte zur Steuerung des Materialflusses“ und „Big Data Analytics“, wie das BME-Barometer „Elektronische Beschaffung 2020“ anzeigt. Für die Studie des Bundesverbandes Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e. V. gaben Unternehmen verschiedenster Bereiche die aus ihrer Sicht wichtigsten Zukunftstechnologien zu Protokoll. Auf den weiteren Plätzen: maschinelles Lernen, Process Mining, Robotic Process Automation, 3D-Druck und Virtualisierung/Simulation.

Es steht also einiges auf dem Plan. Machbar ist alles, aber kaum alles auf einmal. So nennt die zitierte Studie auch unternehmensinterne Hinderungsgründe. Die wichtigsten: mangelnde interne Datentransparenz und -strukturierung, generelle innerbetriebliche Widerstände und fehlende Unterstützung der Geschäftsführung. Es braucht also noch mehr treibende Kräfte auf höchster Ebene. Und, ganz pragmatisch, aufgeräumte Datenstrukturen. Darauf kann man aufbauen. Die IT-Business-Architekten von Bechtle unterstützen dabei. Auch beim Ausbau der Integrationsfähigkeit. So kommt immer mehr Transparenz in die Lieferketten. Nicht nur beim Fischeverfolgen.

Ansprechpartner.

Bechtle update Redaktion
update@bechtle.com

 

Zum Thema.

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Veröffentlicht am 10.06.2021.