Schwachstellenmanagement in Zeiten von KI: Warum Unternehmen Risiken effektiver bewerten müssen.
Die Zahl veröffentlichter Sicherheitslücken steigt von Jahr zu Jahr. Für Unternehmen wird jedoch nicht die Menge der Meldungen zur Herausforderung, sondern die Fähigkeit, die tatsächlich relevanten Risiken schnell zu erkennen und die richtigen Maßnahmen abzuleiten.
Das Wichtigste in Kürze.
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Mehr veröffentlichte Schwachstellen bedeuten nicht automatisch mehr Risiko. Entscheidend ist, zu prüfen, ob die eigene Umgebung betroffen ist, und die Maßnahmen richtig zu priorisieren.
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Bei Nutzung von KI in der Verteidigung können bestehende Sicherheitsprobleme schneller sichtbar gemacht werden.
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Erfolgreiches Schwachstellenmanagement basiert auf Asset Management, Risikobewertung und konsequentem (virtual) Patch-Management.
2024 wurden weltweit erstmals mehr als 40.000 neue Schwachstellen veröffentlicht: 39 Prozent mehr als im Vorjahr. Doch mehr Meldungen bedeuten nicht automatisch mehr Risiko. Entscheidend ist vielmehr die Frage, ob ein Unternehmen überhaupt betroffen ist und wie wahrscheinlich eine Ausnutzung der Schwachstelle ist. Die Fähigkeit, Risiken in kürzester Zeit richtig einzuordnen und die passenden Maßnahmen abzuleiten, rückt daher zunehmend in den Mittelpunkt. Denn nur ein kleiner Teil aller bekannten Schwachstellen wird später tatsächlich für Angriffe genutzt.
KI macht verborgene Schwachstellen sichtbar.
Künstliche Intelligenz gilt oft als Treiber der wachsenden Zahl entdeckter Sicherheitslücken. In der aktuellen Diskussion ist das vor allem deswegen relevant, weil nun zu geringen Kosten und in Maschinengeschwindigkeit Schwachstellen in Software, Hardware und Infrastrukturen gefunden werden, die zuvor von hochspezialisierten Expert:innen entdeckt werden mussten. Andererseits bringt KI in den Händen von Angreifern auch die Fähigkeit mit sich, nicht nur die Schwachstellen zu finden, sondern auch direkt einsatzbereite Exploits zu entwickeln.
Hinzu kommt, dass KI nicht zwangsläufig neue Angriffspfade erzeugt, sondern bestehende Probleme oft nur schneller und umfangreicher sichtbar macht. Moderne Analysewerkzeuge können große IT-Umgebungen innerhalb kürzester Zeit untersuchen und Schwachstellen identifizieren, die zuvor unentdeckt geblieben wären. Gleichzeitig profitieren Angreifer und Verteidiger von denselben technologischen Möglichkeiten. Für Unternehmen stellt sich deshalb weniger die Frage nach der Ursache der Schwachstellenflut als nach der eigenen Reaktionsfähigkeit: Wie schnell lassen sich Risiken erkennen, bewerten und wirksam absichern?
Risiken priorisieren.
Die steigende Zahl veröffentlichter Schwachstellen macht ein strukturiertes Vulnerability und Exposure Management wichtiger denn je. Es geht dabei nicht nur um technische Maßnahmen, sondern auch um organisatorische Sicherheit im Rahmen eines professionellen Risikomanagements, etwa durch regelmäßige Tests, definierte Prozesse und Zyklen für Patches und Reporting. Dabei beginnt jeder Prozess mit Transparenz: Unternehmen müssen wissen, welche Systeme und Anwendungen tatsächlich im Einsatz sind und ob sie von einer neu gemeldeten Schwachstelle betroffen sind. Erst auf dieser Grundlage lässt sich bewerten, wie hoch das tatsächliche Risiko ist. Neben dem technischen Schweregrad spielen dabei weitere Faktoren eine Rolle, etwa die Erreichbarkeit eines Systems, die Wahrscheinlichkeit einer Ausnutzung oder bereits vorhandene Schutzmaßnahmen. Ziel ist es, die begrenzten Ressourcen auf diejenigen Schwachstellen zu konzentrieren, die tatsächlich kritisch sind.
Transparenz wird zum Erfolgsfaktor.
Für diesen Ansatz setzt Bechtle auf eine Kombination aus Automatisierung und Expert:innen-Wissen. Schwachstellenscans, die Zusammenführung relevanter Sicherheitsinformationen oder die Erstellung von Tickets lassen sich weitgehend automatisieren. Die eigentliche Bewertung und Priorisierung bleibt jedoch eine Aufgabe für Security-Spezialist:innen.
Eine wesentliche Voraussetzung für wirksames Schwachstellenmanagement ist ein aktuelles Inventar aller eingesetzten Systeme und Anwendungen. Ohne dieses Wissen lässt sich kaum belastbar feststellen, ob eine Organisation von einer Sicherheitslücke betroffen ist. Zunehmend an Bedeutung gewinnen zudem sogenannte Software Bills of Materials (SBOMs), die Transparenz über eingesetzte Softwarekomponenten schaffen und eine schnelle Betroffenheitsanalyse ermöglichen. Gerade in komplexen IT-Landschaften kann dieser Überblick entscheidend sein, um Risiken frühzeitig zu erkennen und gezielt zu minimieren.
Der Vorteil verschiebt sich von der Frage, wer am schnellsten patcht, hin zu der Frage, wer am schnellsten korrekt bewertet, entscheidet und umsetzt.
Patrick Pötz, Team Lead Information Security, Bechtle Austria
Regulatorik erhöht den Handlungsdruck.
Neben technologischen Entwicklungen sorgen auch regulatorische Anforderungen für steigendes Interesse an professionellen Security-Services. Vorgaben wie NIS2, DORA, der Cyber Resilience Act oder der AI Act erhöhen den Handlungsdruck vieler Organisationen und fördern einen strukturierteren Umgang mit Cyberrisiken. Der Schlüssel liegt dabei nicht in kurzfristigen Einzelmaßnahmen, sondern in einem langfristigen und kontinuierlichen Verbesserungsprozess. Sicherheit entsteht durch konsequente Umsetzung, regelmäßige Überprüfung und stetige Optimierung.
Zeitfenster für Gegenmaßnahmen werden kleiner.
Die Zeit zwischen der Veröffentlichung einer Schwachstelle und ersten Angriffen wird immer kürzer. Teilweise liegen nur noch wenige Stunden zwischen Bekanntwerden und aktiver Ausnutzung. Unternehmen benötigen deshalb automatisierte Prozesse, belastbare Daten und klare Entscheidungswege, um angemessen reagieren zu können.
Langfristig dürfte KI dazu beitragen, digitale Produkte sicherer zu machen und Schwachstellen früher zu erkennen. Gleichzeitig wächst die Angriffsfläche durch Cloud-Plattformen, SaaS-Anwendungen, vernetzte Geräte und KI-Systeme weiter. Für IT-Entscheider:innen bedeutet das: Nicht die Anzahl der eingesetzten Werkzeuge wird künftig den Unterschied machen, sondern die Qualität der Prozesse, Daten und Entscheidungen.