Aktuelle Einschätzung zur Entwicklungen der Digitalisierung: Geht es in den Unternehmen schneller oder langsamer voran als gedacht?

Die Digitalisierung entwickelt sich sehr dynamisch, insbesondere seit der Pandemie, die Homeoffice und flexible Arbeitsmodelle beschleunigt hat. Viele Unternehmen haben ihre digitalen Initiativen massiv vorangetrieben, dennoch ist das Tempo sehr unterschiedlich. Grosse Organisationen können Projekte strukturiert umsetzen, während kleinere Betriebe oft noch bei der technischen Umsetzung und Integration digitaler Tools aufholen müssen. Insgesamt bewegen wir uns in die richtige Richtung, aber nicht alle Unternehmen sind gleich schnell unterwegs. Gleichzeitig stellen wir bei Bechtle fest, dass neben Geschwindigkeit und Innovationskraft zunehmend auch Fragen nach Datenstandort, rechtlicher Kontrolle und digitaler Selbstbestimmung in den Fokus rücken, insbesondere im Zusammenhang mit souveränen Cloud-Modellen innerhalb der Schweiz.

Denken Unternehmen die vielen unterschiedlichen Arbeitsplatz-, Regulierungs- und Sicherheitsanforderungen denn erfolgreich zusammen? Wo sieht man, unabhängig von der Unternehmensgrösse, Optimierungsbedarf?

Grundsätzlich gelingt die Koordination gut, vor allem, wenn klare Prozesse und Zuständigkeiten definiert sind. Die Vielzahl an Vorschriften und Standards stellt jedoch nach wie vor eine Herausforderung dar. Manche Abteilungen arbeiten isoliert, sodass ein ganzheitlicher Überblick fehlt. Wir bei Bechtle unterstützen unsere Kunden hier mit klar strukturierten Governance- und Cloud-Frameworks. Eine Schweizer Sovereign Cloud verstehen wir nicht nur als Infrastruktur, sondern als ganzheitliches Betriebsmodell mit definierter Dateninfrastruktur in der Schweiz, kontrollierten Zugriffsmodellen, transparenten Betriebsprozessen und klarer regulatorischer Einbettung.

Neben den positiven Seiten der Digitalisierung, etwa den Chancen für mehr Produktivität, sind allerdings auch Cybersecurity und Informationssicherheit zu Themen geworden. Wie sollten Unternehmen damit umgehen?

Das Risiko, Opfer von hochprofessionellen Cyberkriminellen zu werden, ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Grosse Cyberangriffe auf Unternehmen erfolgen heute nicht mehr zufällig, sondern werden gezielt geplant, indem die Angreifer Schwachstellen ausnutzen. Sicherheit ist daher keine Option, sondern ein fester Bestandteil jeder Digitalstrategie und sollte von Beginn an in Systeme und Prozesse integriert werden. Wir bei Bechtle unterstützen Unternehmen ganzheitlich im Bereich Cybersecurity: von der Analyse über die Implementierung geeigneter Schutzmassnahmen bis hin zur Incident Response. Unsere Expert:innen verbinden dabei rechtliche, organisatorische und technische Aspekte zu einem integrierten Sicherheitskonzept.

Welche Rolle spielt KI – auch im Hinblick auf immer grössere Datenmengen, Datacenter und Multicloud-Lösungen, die gemanagt werden müssen?

KI ist essenziell, um der wachsenden Komplexität moderner IT-Infrastrukturen Herr zu werden. In Multicloud-Umgebungen und modernen Datacentern fallen enorme Datenmengen an, die ohne KI kaum effizient zu bewältigen sind. In der Schweiz setzen bereits rund 46 % der Unternehmen auf KI-Technologien, und mehr als 75 % betreiben Multicloud-Umgebungen. KI unterstützt auch in souveränen Cloud-Architekturen wichtige Aufgaben, beispielsweise zur automatisierten Durchsetzung von Compliance-Vorgaben, zur Anomalie-Erkennung in sicherheitskritischen Umgebungen oder zur intelligenten Steuerung hybrider Multi-Cloud-Modelle.


Martin Kull

KI ist kein Selbstzweck und kein Ersatz für menschliche Expertise, sondern ein Werkzeug, das Kompetenzen erweitert.

Martim Kull, Vice President, Bechtle Switzerland


Wozu können oder sollten Unternehmen KI einsetzen und wie stark müssen Mitarbeitende eingebunden werden?

Unternehmen sollten KI überall dort einsetzen, wo sie messbaren Mehrwert schafft, etwa indem sie repetitive Aufgaben automatisiert, Prozesse effizienter gestaltet oder datenbasierte Entscheidungen verbessert. In vielen Branchen unterstützt KI bereits die Betrugsprävention im Finanzbereich, personalisierte Angebote im Handel, die Optimierung von Lieferketten, vorausschauende Wartung in der Industrie oder die Diagnoseunterstützung im Gesundheitswesen. Darüber hinaus eröffnet sie neue Möglichkeiten für innovative Geschäftsmodelle und nachhaltigere Prozesse. KI ist kein Selbstzweck und kein Ersatz für menschliche Expertise, sondern ein Werkzeug, das Kompetenzen erweitert.

Wird KI den Personalmangel in einigen Branchen auffangen können oder müssen?

Teilweise kann KI Engpässe abfedern, besonders bei standardisierten Prozessen. Sie ergänzt damit Fachkräfte, aber echte Expertise bleibt unverzichtbar. Bechtle betrachtet KI als Schlüsseltechnologie der Zukunft, mit der Unternehmen nicht nur Prozesse automatisieren, sondern Mitarbeitende gezielt durch die Automatisierung von Routinetätigkeiten entlasten und stärker für wertschöpfende Aufgaben befähigen können. Entscheidend ist, dass Mitarbeitende geschult werden, um die Technologie effektiv zu nutzen. So steigert KI die Produktivität, ohne dass wertvolles Know-how verloren geht. Wir unterstützen Unternehmen dabei auch mit praxisnahen Schulungen und Workshops.

Wie sehr sollten Unternehmen, aber auch der öffentliche Sektor daran arbeiten, digitale Souveränität zu erreichen?

Digitale Souveränität ist zentral, vor allem bei sensiblen Daten oder kritischer Infrastruktur, und spielt insbesondere bei der Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung eine wichtige Rolle. Unternehmen und öffentliche Institutionen sollten die Kontrolle über ihre Daten, Prozesse und Systeme behalten. Hybride Lösungen, offene Standards und sichere Cloud-Infrastrukturen sind dabei ebenso entscheidend wie der Aufbau eigener Kompetenzen im Datenmanagement. Wir stärken die digitale Souveränität unserer Kunden, indem wir ihre Assets, Prozesse und Motivation analysieren, einen Souveränitätswert errechnen und Schwachstellen identifizieren, um gezielte Handlungsfelder abzuleiten. Dafür bringen wir ein einzigartiges, softwarebasiertes Assessment auf den Markt – den Bechtle Index of Sovereignty, kurz: BIoS. Zur Unterstützung öffentlicher Institutionen haben wir zudem den schweizweiten Public Cluster eingeführt. Dabei bündeln wir die Kompetenzen aller drei Schweizer Bechtle Gesellschaften, sodass Kunden in allen Regionen auf ein integriertes Netzwerk von Spezialist:innen zugreifen können. Ziel des Clusters ist es, Prozesse zu vereinheitlichen, die Zusammenarbeit zwischen den Leistungseinheiten zu erleichtern und öffentliche Kunden zentral bei der Umsetzung digitaler Projekte zu unterstützen.

Wie werden sich die IT-Architekturen in den nächsten Jahren noch verändern?

IT-Architekturen werden modular, flexibel und cloudbasiert. Monolithische Systeme weichen zunehmend serviceorientierten Strukturen, die skalierbar, wartbar und besser an dynamische Anforderungen angepasst sind. Die Zukunft liegt in einer stärkeren Zusammenführung von Cloud-, On-Premisesund Multicloud-Umgebungen sowie KI-gesteuerten Prozessen. In diesem Kontext positioniert sich Bechtle mit einer Schweizer Sovereign Cloud als strategischer Partner. Wir verbinden moderne Cloud-Technologien mit vertrauenswürdiger Dateninfrastruktur, Betrieb und Governance innerhalb der Schweiz und schaffen so eine stabile, sichere und rechtlich unabhängige Basis für Unternehmen und Behörden.


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Dieser Artikel entstand in Zusammenarbeit mit der Fachpublikation «Tech-Innovation», die am 11. März 2026 im Distributionskanal «Finanz und Wirtschaft» publiziert wurde.

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