Digitale Lebensqualität. Wo stehen wir?

Lebensqualität ist, wenn es einem gut geht, stimmt’s? Aber woran bemisst sich das? Geld, Gesundheit, Glück? Und wo auf der Welt geht’s einem am besten? Dazu gibt es einschlägige Rankings. Und dann gibt es auch die „digitale Lebensqualität”. Was ist darunter zu verstehen? Wie wird sie ermittelt und in welchen Ländern ist sie am höchsten und am niedrigsten? Das sind hier die Fragen.

Der Norden steht oben: Dänemark ist das Land mit der höchsten digitalen Lebensqualität weltweit. Gefolgt von Südkorea, Finnland, Israel und den USA. Deutschland ist Neunter und liegt damit immerhin sieben Plätze besser als noch im Vorjahr. Hinter der Schweiz auf Rang acht, die den gleichen Sprung nach oben gemacht hat. Am meisten verbessert haben sich unter den Top Ten die USA: von Platz 22 auf fünf. Österreich findet sich nicht unter den Besten, sondern erst auf Platz 21. So sieht’s mal generell aus. Richtig interessant wird es, wenn man sich die verschiedenen Bewertungskriterien anschaut.

Digital Quality of Life Index.

Das Cyber-Security-Unternehmen Surfshark ermittelt in 110 Ländern, die ca. 90 Prozent der Weltbevölkerung repräsentieren, die digitale Lebensqualität anhand der Hauptkategorien Qualität bzw. Bezahlbarkeit der Internetnutzung, digitale Infrastruktur, Sicherheit und E-Government. Europaweit werden 38 Länder erfasst.

surfshark.com/dql2021

Die fünf Top fünf.

Die fünf Hauptkategorien für digitale Lebensqualität setzen sich aus jeweils zwei bis drei Unterkategorien zusammen. Hier ein Überblick.

1. Bezahlbarkeit des Internets.

Hierbei wird gemessen, wie lange man arbeiten muss, um sich die günstigste Internetverbindung (Breitband bzw. mobil) leisten zu können. Es liegt nahe, dass hohe Einkommen mit digitaler Lebensqualität einhergehen. Überraschend finden sich Sri Lanka auf dem dritten und Litauen auf dem fünften Platz im Ranking. Die Kosten fürs Internet sind hier gemessen an der Wirtschaftskraft außerordentlich günstig. Die Schlusslichter bilden – wie in fast allen Kategorien – afrikanische Länder, die überwiegend auch zu den ärmsten der Welt gehören.

 

2. Qualität des Internets.

Geschwindigkeit, Stabilität und Grad der Ver-besserungen von Breitband und mobilen Ver-bindungen sind hierfür die Parameter. Als einziges europäisches Land zählt die Schweiz zu den Besten. Indem Breitband den Maßstab beim Festnetz bildet, gibt die Kategorie Aufschluss insbesondere über die Anschlussfähigkeit von Unternehmen, die mehr als Privatnutzer:innen auf hohe Leistungsraten bei der Datenübertragung angewiesen sind.

 

3. Elektronische Infrastruktur.

Hier geht’s einerseits um die Anzahl der Internetnutzer:innen pro hundert Einwohner:innen, andererseits wird die „Network Readiness”,  also der Netzausbau, widergespiegelt. Zwei  recht unterschiedliche Kategorien. Gleich drei skandinavische Länder bilden die Spitzen-gruppe. Das ergibt sich vor allem aus der hohen Netzabdeckung. Die höchste Dichte an Internetnutzer:innen wird in Katar gezählt.

 

4. Elektronische Sicherheit.

Unter den Aspekten Cyber-Security und Datenschutz, die hier zusammenkommen, überraschen Griechenland und Tschechien als Spitzenreiter. Als für ihre digitalen Standards bekannte Länder hat man sich Estland und Litauen schon eher vorstellen können.

 

 

 

5. Elektronische Verwaltung.

Gemeint ist hier nicht nur die Qualität von Online-Services beim E-Government, sondern auch die „AI Readiness”, also der Entwicklungsstand bei künstlicher Intelligenz. In dieser Kombination sind die USA am besten aufgestellt. Für Großbritannien ist dies die einzige Top-Ten-Platzierung, die anderen Länder sind auch im Gesamtranking vorn dabei.

 

 

Einerseits, andererseits.

Breitband eher Schmalspur.

Die gute Nachricht: Wenn man Breitband-Internet hat, ist die Nutzung in Deutschland vergleichsweise günstig. Nimmt man die Verbesserung der Breitbandgeschwindigkeit als Maßstab, liegt Deutschland allerdings ganz weit hinten: Rang 82 von 110. Der 59. Platz bei der Stabilität des Breitbands ist da auch kein Trost. Aber es gibt natürlich trotzdem gute Gründe für die Gesamtplatzierung unter den ersten zehn Ländern der Welt.

Mobil stabil.

Bei der Stabilität des mobilen Internets schneidet Deutschland deutlich besser ab als die drei erstplatzierten Länder. Am besten haben es aber in dieser Hinsicht die Schweizer. In Südkorea ist das Niveau auch ziemlich hoch. Die Stabilität ist zwar nur so lala (13.), die Geschwindigkeit ergibt aber aktuell schon Rang zwei mit der besten Zuwachsrate von allen. Bei der Internetqualität insgesamt bildet Südkorea die Nummer Eins weltweit – übrigens als einziges Land der Top Ten, das erstmals Bestandteil der Rangliste ist.

Was noch?

Dass Datenschutz in Deutschland auf höchstem Niveau verortet wird, ist keine Überraschung. Dass es mit der Cyber-Security nicht ganz so gut steht, allerdings auch nicht  – immerhin Platz 14 mit Luft nach oben. Eher verwundert, dass die US-amerikanische Gesetzgebung zum Datenschutz auf dem Level der deutschen einsortiert wird. Auf einer Skala von 0 bis 2 liegt auch der globale Durchschnitt bei hohen 1,8.

Beim Thema Electronic Government werden zwei Dimensionen betrachtet. Zum einen der Online-Services-Index. Deutschland schneidet hier erwartungsgemäß nicht gut ab: Rang 56. Südkorea ist in dieser Kategorie die führende Nation. Positiv überrascht Deutschland bei der „AI Readiness”. Die viertbeste Platzierung weist darauf hin, dass Künstliche Intelligenz schon ziemlich startklar ist. Die Einordnung unter Electronic Government ist nur methodisch etwas verwirrend.

Und Frankreich?

Unser größtes Nachbarland darf hier nicht unerwähnt bleiben. In der Gesamtbewertung weltweit liegt es noch vor Deutschland und der Schweiz auf Rang sieben, europaweit auf Platz drei. Frankreich ist dabei nirgendwo richtig toll, aber auch nicht besonders schlecht. Die Spanne zwischen bester und schlechtester Einzelbewertung ist längst nicht so groß wie bei Deutschland.

Viele Perspektiven.

Der „Digital Quality of Life Index” ermöglicht, das Thema unter verschiedensten Aspekten zu betrachten. Für jedes einzelne der 110 einbezogenen Länder lassen sich anhand von 14 Einzelkriterien die Platzierung und Indizes abrufen. Zudem kann man bis zu vier Länder direkt miteinander vergleichen und zusätzlich ins Verhältnis zur Welt oder zu einzelnen Kontinenten setzen.

Außerdem wird ausgewiesen, welche Länder in den Einzelkategorien die größten Sprünge nach oben gemacht bzw. sich am meisten verschlechtert haben. So haben sich die Philippinen bei der Internet-Qualität und Bahrain bei AI Readiness am stärksten gesteigert. Estland hat bei der Internet-Qualität, Russland bei der Electronic Security am meisten nachgelassen.

Was sagt uns das?

Alles in allem liegen die Top Ten beim Gesamtindex für digitale Lebensqualität nicht weit auseinander. Einzig Dänemark hebt sich als Spitzenreiter deutlich ab. Bei einzelnen Kategorien bestehen jedoch auch unter den Besten teils sehr große Unterschiede. Im Großen und Ganzen spiegelt das Ranking an vielen Stellen die Wirtschaftskraft der Länder wider. Andererseits dürfte gemessen daran gerade bei den führenden Nationen in Sachen digitaler Lebensqualität mehr drin sein.

Lebensqualität im Allgemeinen.

Hierzu gibt es verschiedene Erhebungen. Die OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) ermittelt den „Better Life Index” mit elf Kriterien von Wohnverhältnissen und Einkommen über Gemeinsinn, Bildung und Umwelt bis zu Sicherheit und Work-Life-Balance. Über alle Kriterien hinweg belegen Norwegen, Australien, Island, Kanada und Dänemark aktuell die ersten fünf Plätze. Man kann auch die verschiedenen Aspekte des Index individuell gewichten und damit sein persönliches Ranking erstellen: oecdbetterlifeindex.org

Wer vergleichen möchte, kann sich etwa auch am „Best Countries Ranking” des Nachrichtenmagazins U.S. News orientieren. Die Top fünf sind ähnlich belegt: Kanada, Dänemark, Schweden, Norwegen, Schweiz. Unsere nächsten Nachbarn im Norden sind also nicht nur digital spitze.

usnews.com/news/best-countries/quality-of-life-rankings

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Diesen Beitrag haben wir veröffentlicht am 29.03.2022.