Im Winter 2021/22 gelten virtuelle Welten plötzlich als das nächste große Ding. Im Frühling ist der mediale Hype schon wieder vorbei. Ein paar Monate später drängt sich Künstliche Intelligenz ins Rampenlicht und seither steht sie dort. Virtuelle Welten rücken in den Hintergrund – und die Beobachtungspause tut ihnen gut. Denn nun hat sich der Blick auf die erweiterte Realität verändert. Heute geht es nicht mehr um große Visionen, sondern um greifbare Anwendungen mit echtem Mehrwert. Dr. Alexander Fink bringt es auf den Punkt: „Im Schatten des KI-Hypes sind virtuelle Welten erwachsen geworden – mit praxisnahen Lösungen, die unseren Alltag bereichern.“

Rendering einer Stadtplanung

Die XR-Evolution.

Dr. Alexander Fink ist Head of Public Sector Innovations bei Bechtle. Er und das Expert:innenteam um Sophie Throm und Julian Leupold beschäftigen sich seit Jahren mit der Frage, wie XR-Anwendungen in Schulen, Universitäten, Krankenhäusern oder Behörden einen echten Nutzen stiften. „Der öffentliche Sektor ist für uns besonders spannend, weil er uns alle betrifft. Hier kommen ganz unterschiedliche Erwartungen und Bedürfnisse zusammen“, erklärt er. Warum ist Virtual Reality aber noch nicht in unserem Alltag angekommen? Für Alexander Fink liegt das nicht an mangelndem Interesse, sondern an ganz praktischen Faktoren: Geräte waren lange zu teuer, zu schwer zu tragen, und die Inhalte waren noch nicht ausgereift.

Genau diese drei Dinge haben sich aber inzwischen erheblich verbessert. Heute sind XR-Brillen leichter, günstiger und nutzerfreundlicher – und sie werden zunehmend von Künstlicher Intelligenz unterstützt. „Hardware und Software haben in den letzten Jahren enorme Sprünge gemacht. Das hebt XR-Anwendungen auf ein ganz neues Qualitätslevel“, sagt Alexander Fink. „Außerdem sprechen wir heute nicht mehr über die faszinierenden, bunten Welten von vor drei Jahren, sondern über konkrete Anwendungen, die echte Probleme lösen.“


Hardware und Software haben in den letzten Jahren enorme Sprünge gemacht. Das hebt XR-Anwendungen auf ein ganz neues Qualitätslevel.

Dr. Alexander Fink, Head of Public Sector Innovations bei Bechtle


Realität ergänzen statt ersetzen.

Erweiterte Realität, Extended Reality oder einfach nur XR – diese Begriffe fassen die Technologien zusammen, mit denen virtuelle Welten entstehen. Eine Stärke von XR ist die Darstellung komplexer Dinge zum besseren Verständnis – zum Beispiel von etwas, das es noch gar nicht gibt, wie in der Städte- und Gebäudeplanung. „Wie soll ein Wohnviertel später mal aussehen? Das kann man sich mit den Entwürfen des Architekten kaum vorstellen. In einer virtuellen Welt ist das kein Problem. Hier kann man den Entwurf in 3D erleben und begehen. Das macht es deutlich einfacher, das Bauvorhaben zu verstehen und mit allen Beteiligten über dieselbe Idee zu sprechen“, führt Alexander Fink aus.

Aber auch Orte, die es bereits gibt, lassen sich digital erfassen und virtuell begehen – zum Beispiel in der Stadt Schramberg. Hier können Bürger:innen einen alten Glockenturm besichtigen, der aus Sicherheitsgründen gesperrt ist. Oder man nutzt virtuelle Welten, um Hochwasserszenarien zu simulieren und Schutzmaßnahmen vorab auf ihre Wirksamkeit zu überprüfen. Das kann im Ernstfall Leben retten. Für den öffentlichen Sektor ist auch das Thema Inklusion entscheidend. Denn in Behörden können virtuellen Welten dazu beitragen, Sprachbarrieren abzubauen – zum Beispiel mit dem Einsatz mehrsprachiger Avatare, die rund um die Uhr bei Anträgen helfen, Fragen beantworten und dabei das Personal entlasten. Und auch im Bildungsbereich löst XR bereits reale Probleme im Alltag.

Beispiel aus der Bildung: Patient:innengespräche üben in XR.

Zielgruppe.

Studierende im Fachbereich Medizin.

Problem.

Medizinstudierende können Krankheitsbilder sicher erklären und genaue Diagnosen stellen. Doch wenn es im Patient:innengespräch mal emotional schwierig wird, geraten sie ins Stocken. Übungsgespräche mit Kommiliton:innen oder Schauspielpatient:innen sind zwar eine gute Idee, funktionieren in der Praxis aber kaum, weil sie selten authentisch ablaufen.

XR-Lösung.

Ein KI-gestützter Anamnese-Trainer versetzt die Studierenden in ein virtuelles Behandlungszimmer. Ihnen gegenüber sitzt ein Avatar. Je nach Szenario treten unterschiedliche Patiententypen und Pathologien auf. Die Gespräche laufen realistisch ab: Der virtuelle Patient antwortet auf Fragen, reagiert mit Mimik und Gestik und zeigt auch Emotionen – von Angst bis Wut. So üben die Studierenden, auf heikle Situationen empathisch zu reagieren, ohne Druck und ohne dass Fehler bereits negative Konsequenzen haben.

results by Bechtle.

Dieser Artikel ist ein Auszug aus der zweiten Ausgabe des Magazins results by Bechtle. 

Teaser results Magazin