Digitalisierung im Mittelstand: Wollen wir nicht oder können wir nicht?

Die Statistiken sprechen klar gegen uns. Die Anzahl der Patente, die Nutzung von moderner IT-Technologie, der Digitalisierungsgrad der Unternehmen – überall landet Deutschland und insbesondere der deutsche Mittelstand bestenfalls im Mittelfeld. Der Motor deutscher Mittelstand stottere, heißt es. Ja, er gefährde sogar die anderen starken „Verkehrsteilnehmer“, wie etwa die sehr präsente Produktionsindustrie. Aber Hand aufs Herz: Ist das wirklich so? Birgit Merschmann, Geschäftsführerin MODUS Consult GmbH, erzählt, wie sie den deutschen Mittelstand und insbesondere die Produktionsbetriebe auf dem Weg in die neue volatile, agile und digitale Welt erlebt.

Wir können gleich zu Beginn festhalten, dass eine passende Lösung immer in enger Zusammenarbeit mit dem Kunden entsteht. Wenn vor einigen Jahren ein Projekt noch darin bestand, Software A durch Software B zu ersetzen, ist heute die Transformation ein gemeinsamer Weg, der oftmals zu Beginn den Horizont noch nicht erkennen lässt. Und da sind wir auch schon beim ersten Punkt. Wenn es ein Weg ist, auf dem zwar der Anfang, nicht aber das Ende definiert ist, wie kann man dann vergleichen und vor allem werten? Wenn viele Wege nach Rom führen, ist dann der kürzeste, der schnellste oder der nachhaltigste Weg der richtige? Wer legt das fest? Die Wissenschaftler? Die Wirtschaft? Oder kann und muss das nicht jedes Unternehmen für sich entscheiden, da man unterstellen darf, dass ein wirtschaftlich agierendes Unternehmen einen natürlichen Selbsterhaltungstrieb hat?

In unserem täglichen Business stellen wir zunehmend fest, dass sich der deutsche Mittelstand nach anfänglichem Zögern sehr wohl mit dem Thema Digitalisierung auseinandersetzt. Nur ist Digitalisierung eben nicht gleich Digitalisierung. Und Unternehmen agieren sehr unterschiedlich: Der erste geht den Weg der kleinen Schritte, indem beispielsweise zunächst das papierlose Büro durch ein intelligentes Dokumentenmanagementsystem ersetzt wird. Der zweite setzt ein umfassendes Digitalisierungsprogramm auf, bei dem Geschäftsmodelle, Kultur, Business und Prozesse komplett auf links gedreht werden und dabei die gesamte Systemlandschaft ausgetauscht wird. Und der dritte beschäftigt sich nicht mit den vorhandenen Unternehmensstrukturen, sondern hat neue Geschäftsmodelle im Sinn, die ohne die neuen technologischen Möglichkeiten gar nicht denkbar wären. Alle drei digitalisieren, aber eben auf völlig unterschiedliche Art und Weise in Umfang und Zielsetzung.

Als IT-Partner ist es wichtig, sich auf die unterschiedliche Geschwindigkeit und die individuellen Gegebenheiten der Kunden einzulassen und das eigene Vorgehen jeweils anzupassen. Die spannende Beobachtung dabei ist, dass der Faktor Mensch und soziale Themen umso stärker in den Vordergrund rücken, je technologisierter und digitaler die Welt wird. Sie zu ignorieren ist unmöglich: Zu groß ist die Unsicherheit auf Seiten der Anwender, wie sich die Veränderungen auf die eigene, persönliche Arbeitswelt auswirken. Diese Ungewissheit darf uns aber nicht abhalten, unsere Hausaufgaben zu machen und uns sehr ernsthaft mit den Möglichkeiten der Digitalisierung auseinanderzusetzen, denn dieser Zug ist nicht mehr aufzuhalten. Niemand muss dabei immer im ersten Wagen sitzen. Aber nicht mitzufahren, ist keine Option. Wer am Bahnhof stehen bleibt, für den ist im wahrsten Wortsinn der Zug abgefahren. Eine Situation, die für Unternehmen existenzbedrohend sein kann.

Birgit Merschmann, Geschäftsführerin,
MODUS Consult GmbH
– ein Unternehmen der Bechtle Gruppe

Eine passende Lösung entsteht immer in enger Zusammenarbeit mit dem Kunden
– den 'einen' Weg gibt es nicht.

Das gilt übrigens nicht nur für unsere Kunden, sondern auch für uns als IT-Partner. Im „Digitalisierungsdschungel“ braucht es zunehmend Orientierung und Beratung. Im boomenden Digitalisierungsmarkt tummeln sich viele neue Unternehmensberatungen oder Digitalisierungscoaches und alle werben damit, den richtigen Weg zu kennen. Wem kann man vertrauen, erst recht, wenn die Themen so unübersichtlich und komplex werden, dass die sachliche (und fachliche) Bewertung kaum mehr möglich ist. Ich bin überzeugt, dass keiner der Beteiligten den richtigen Weg am Anfang bereits kennt – „den einen“ Weg gibt es nämlich nicht. Als Partner müssen wir die Prozesse der jeweiligen Branche verstehen, damit wir überhaupt beraten können. Es muss aber auch Know-how über die passende Technologien vorhanden sein, die in der Lage sind, die individuellen Prozesse auch effizient abzubilden.

Alle Technologien und Prozesse bringen nichts, wenn wir den Menschen außer Acht lassen,
den es am Ende betrifft.

Darüber hinaus ist wichtig, auch das menschliche Umfeld zu kennen und die Erwartungen, Ansprüche, Unsicherheiten zu verstehen, denn alle Prozesse und Technologien bringen nichts, wenn wir den Menschen außer Acht lassen, den es am Ende betrifft. Dadurch bekommt die Beratung einen zunehmend strategischen Charakter mit deutlich mehr Prozessfokus, da es eben nicht mehr um reine funktionale IT-Projekte geht, sondern um Changeprojekte. Es ist elementar zu wissen, wohin der Kunde will, welche Ziele er verfolgt oder welche möglichen neuen Geschäftsmodelle sich durch die Digitalisierung ergeben. Denn natürlich verändert sich auch der Kunde unserer Kunden. Auf dem Weg der Veränderung darf dabei das große Ganze nicht aus dem Blick geraten und einzelne Etappen müssen in gangbare Teilstrecken aufgeteilt werden, damit sich niemand verzettelt, sondern jeder ganz strukturiert einer klaren Roadmap folgt. Was für eine Dynamik! Davor kann und darf man Respekt haben. Umso wichtiger ist, dass es immer ein gemeinsamer Weg von Kunde und IT-Partner ist, dessen Qualität sich durch Dialog, Offenheit und partnerschaftlichem Miteinander auszeichnet.

Mein Fazit: Unser deutscher Mittelstand hat sich längst aufgemacht, die Möglichkeiten der Digitalisierung zu nutzen. Der Wille ist da. Die Umsetzung ist eine gemeinsame Aufgabe von IT, Business und Mensch. Für uns ist ein ganz wichtiger Erfolgsfaktor, nicht nur das technische Know-how zu liefern, sondern mit Empathie, top Beratungsqualität und dem richtigen Verständnis für die Prozesse die Rolle des verlässlichen Partners zu übernehmen. Entscheidend ist, den Kunden darin zu bestärken und ihm das Vertrauen zu geben, den ersten Schritt auf dem Weg der Digitalisierung zu gehen. Ich bin überzeugt, wenn der Zug erst einmal ins Rollen kommt, ist der deutsche Mittelstand nicht mehr aufzuhalten.

Die MODUS Consult GmbH gehört zu den Spezialisten der Bechtle Gruppe. Wir bieten Businesslösungen auf der Basis der Plattformtechnologie D365 von Microsoft inklusive strategischer Partnerlösungen und Implementierung. Dazu gehören etwa das klassische Warenwirtschaftssystem, aber auch Customer-Relationship-Management-Systeme oder die Plattformtechnologien von Business Intelligence über Collaboration Tools, Office 365,  IoT oder Workflowautomations. Auch verschiedene KI-Ansätze liefert das breite Plattformspektrum von Microsoft bereits mit.

Ansprechpartner:in.

Birgit Merschmann

Geschäftsführerin, MODUS Consult GmbH

birgit.merschmann@modusconsult.de

 

Zum Thema.

  • Artikel: Künstliche Intelligenz: Die Zukunft für den Mittelstand.

 

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Diesen Beitrag haben wir veröffentlicht am 27.10.2021.